Die Rasseliste – Die Sache mit den „Boxer Mischlingen“

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Nachdem ich vor einigen Tagen so manche Auflagen erwähnt habe, möchte ich heute mal an viele Listenhundhalter plädieren. In meinem privaten Umfeld habe ich des Öfteren mitbekommen, dass viele Hundehalter mit Pit, Staff und Co. ihre Hunde als „Boxer-Mischling“ oder „Labrador-Mix“ anmelden, weil sie denken dass sie damit die Auflagen umgehen können.

Bitte tut dies nicht!
Leider kommt bei den meisten nämlich irgendwann heraus, dass sie wissentlich (oder unwissentlich) ihren Hund falsch gemeldet haben und das kann schlimme Folgen haben.
Viele sagen nun, dass ihr Hund ja ganz lieb sei und nie Probleme machen wird, so dass niemand auf ihn aufmerksam wird. Meist reicht es jedoch schon aus, wenn das Ordnungsamt zufällig auf der Straße kontrolliert und dann gefragt wird, welcher Rasse der Hund angehört. Die netten Herren vom Ordnungsamt sind auch nicht blind. Das heißt, in dem Moment wo Ordnungsamt, Polizei oder auch nur ein Nachbar der Meinung ist, dass ihr eine meldepflichtige Rasse an der Leine habt, kann dies je nach Bundesland schlimme Konsequenzen haben und ihr müsst beweisen, dass dem nicht so ist.

2015-03-08 13.01.09Zuerst einmal wird dann ein Gentest des Hundes oder ein Termin bei einem Sachkundigen gemacht, um einzuschätzen, ob der Hund wirklich in irgendeiner Kategorie auf der Rasseliste auftaucht. Das ist dann in den meisten Fällen vom Hundehalter zu zahlen. Achtung, auch Mischlinge zählen dazu! Ist der Test negativ oder der Gutachter ist nicht dieser Meinung, habt ihr Glück gehabt und nichts kommt auf euch zu.
Wird jedoch auch nur ein kleiner Teil Listenhund genetisch oder phänotypisch nachgewiesen, müsst ihr warten und hoffen, dass das Ordnungsamt nett ist. Nur dann dürft ihr euren Hund behalten und habt die Auflagen zu erfüllen, die das jeweilige Bundesland fordert.
Sind die jedoch nicht so freundlich kann es sein, dass schon hier der Hund eingezogen wird (z.B. aufgrund der Auflage in manchen Bundesländern, dass Listenhunde nicht von Privatpersonen gekauft werden dürfen). In diesem Fall sitzt dann eine weitere arme Seele im Heim und ihr habt meist keine Chance, euren Vierbeiner wieder zu bekommen.

Oft entstehen solch missliche Lagen auch durch unseriöse Tierschutzorganisationen, die gern Listenhundmischlinge als andere Rassen ausschreiben, um diese zu „retten“. Viele Abnehmer wissen hier nicht einmal, um welche Rasse es sich wirklich handelt. Wird jedoch der Hund als Listenhund enttarnt, wird er meistens sofort entzogen da die Einfuhr dieser Rassen aus dem Ausland verboten ist. In diesem Fall ist es nicht selten, dass die Tiere sogar wieder zurück in die Tötungen geschickt werden.

 

Deshalb hier noch einmal zusammengefasst: Informiert euch vor der Anschaffung des Hundes dringend beim Ordnungsamt ob ihr diesen in eurem Bundesland halten dürft! Und haltet die Auflagen auch ein, meldet ihn mit seiner richtigen Rasse an und zeigt, dass ihr verantwortungsbewusst seid! Holt euch keine Listenhund(Mischlinge) aus dem Ausland! So wird euch und eurem Hund nichts im Wege stehen!

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Genau wie bei Lana ist bei den meisten Welpen zum Zeitpunkt der Anschaffung die Rasse kaum erkennbar.

Und für alle, die nun sagen „Ich habe meinen Hund schon falsch gemeldet, das kann man doch nicht straffrei wieder rückgängig machen!“ kann ich nur sagen, dass das in den meisten Fällen ohne Probleme funktioniert, solange man Einsicht zeigt. Als ich Lana in die Hand gedrückt bekam, wusste ich nicht, welche Rassen in ihr stecken. In ihrem Impfausweis stand damals „Mischling“ (eine sehr genaue Aussage!) und die Tierärztin hat es später – ob absichtlich oder nicht kann ich heute nicht mehr sagen – in „Boxer Mischling“ geändert. Je Älter sie wurde, desto mehr sah man jedoch neben dem Boxer auch den Amstaff und Pitbull und ich rief beim Ordnungsamt an, um sie als diese Rasse zu melden. Ich wurde freundlich über die Auflagen aufgeklärt und konnte alles in Ruhe regeln. Eine Woche später war alles „in Sack und Tüten“ und Lana war richtig gemeldet wie es sich gehört. Mir war damals bewusst, dass dies viel Arbeit und Geld bedeuten kann und trotzdem war es mir wichtig, dass niemand sie mir je wegnehmen kann nur weil ich unwissentlich Mist gebaut hatte.

Hiermit beende ich die Reihe „Die Rasseliste“. Es wird sicher zwischendurch immer mal wieder ein paar Texte dazu und zu unseren Listis geben.

7 Gedanken zu „Die Rasseliste – Die Sache mit den „Boxer Mischlingen“

  1. eigentlich macht mich der Artikel wütend.
    Was macht den einen Hund aus. Nur der Menshc hinten an der Leine!!!
    Und warum muß man denen, die so ein schwachsinnsGesetzt gemacht hat, noch recht geben.
    Wo Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!!! (Bertold Brecht)

  2. Hallo, ich finde deine Aussagen in vielen Punkten gut und informativ. Allerdings muss ich auch in einigen Punkten widersprechen. Ich habe schon seit vielen Jahren sog. Listenhunde, selbstverständlich korrekt gemeldet. Einmal davon abgesehen, dass ich die Diskriminierung bestimmter Rassen nicht richtig finde ist es in den meisten Verordnungen auch so, dass im dort immer nur steht „und deren Mixe“. Bis in welche Generation ist dort nicht festgelegt. Wäre auch nicht zu kontrollieren, da es dafür bisher keine entsprechenden Gentests gibt. Daraus wäre zu folgern, dass jeder Hund, der nur annähernd Bulldog oder Terrier in seinem Erbgut hat zu diesen Mixen dazu gerechnet werden müsste. Dann wäre aber ein großer Teil der Hunde Population ein sog. Kampfhund Mix Fakt ist, dass die Hunde ausschließlich nach ihrem Phänotyp beurteilt werden und es niemanden auf dieser Welt gibt, der in der Lage wäre die Rassen, die in einem Hund gemixt sind zu bestimmen. Das führt vielfach dazu, dass Hunde, die einem Staff ähnlich sehen nicht unbedingt auch Staff drin haben müssen und umgekehrt ein Hund, der nicht wie ein Staff aussieht durchaus einen Staff in seiner Ahnen gehabt haben könnte. Ich kenne sogar ein Beispiel aus meinem Umfeld, in dem Hunde ausdem GLEICHEN Wurf zu einem Teil als Staff Mixe und zum anderen Teil als „normale“ Hunde beurteilt wurden! LG

    1. Liebe Anja,

      das ist vollkommen richtig was du sagst und uns auch absolut bewusst. Benji ist ja auch so ein Hund der wie Staff aussieht, aber niemand (trotz Test) sagen kann was wirklich drin ist.

      Die Problematik die wie eigentlich ansprechen wollten ist die, dass Halter wissentlich ihren Hund falsch anmelden, obwohl sie genau wissen das dort eine „Listenhund“ mitgespielt hat. Denn eben durch genau diese Fahrlässigkeit wird Nährboden für das Amt gebildet und sie können den Hund im schlimmsten Fall einziehen.

      LG.

  3. Ja, Hannelore Herrmann, Widerstand zur Pflicht, das ich nicht lache. In Hamburg alles leere Worte und nichts dahinter. Statt dessen Hundelobby Hand in Hand mit dem Hamburger Tierheim. Ehemaliger Aufbewahrungsort für den eingezogenen Mischa. Es wurde eine Klage von der Hundelobby gesammelt gegen das Hundegesetz, Leinenzwang und Rasseliste. Geklagt wurde nur gegen Leinenzwang. Soviel zu dem Spruch, hier wird Widerstand zur Pflicht. In Gedenken an Mischa.

  4. Grundsätzlich gut geschriebener Artikel – spricht mir aus der Seele… Allerdings ist Vorsicht geboten mit dem „nachträglich legal machen“ – in NRW ist dies seit etwa einem Jahr nicht mehr möglich. Es wurde einfach zu oft ausgenutzt… Ist der Hund erst unter falschen Angaben gemeldet, gibt es kein Zurück mehr – wenn er auffällt ist er weg. leider wollen die Leute das nicht einsehen, es wird weiter artig von privat gekauft, von „Züchtern“ nach NRW vermittelt und lustige Fantasie-Rassen wie „Alauntbull“ oder „Siambull“ erfunden.
    Die Leidtragenden sind wieder die Hunde, und bei den Besitzern ist das Geheule groß…

    Auch wenn man die Gesetze nicht für richtig hält (zu der Fraktion gehöre ich auch 😉 ) – sie sind nun mal da und müssen eingehalten werden. Jeder Versuch, diese Gesetze zu umgehen, wird früher oder später der Hund mit einem Leben im Tierheim bezahlen. Und der Gesetzgeber fühlt sich in seiner Meinung, dass alle Listenhundebesitzer kriminell sind und sich nicht um Gesetze scheren, bestätigt…

    Ich habe selber bereits einen Artikel in Facebook zu dem Thema geschrieben:
    https://www.facebook.com/gegenrasselisten.de/photos/pb.327451507466113.-2207520000.1425938249./347284842149446/?type=3&theater

  5. Wir haben seit Dem Tod unseres AmStaff Max immer Hunde aus dem Auslandstierschutz. Mittelgroße Mixe. Als die Rasselisten bei uns eingeführt wurden war ich beim Rassegutachter und habe mir bestätigen lassen was jeder sehen kann – Toro ist kein Listenhundmix! Aus Angst vor Behördenwillkür, wie damals in Brandenburg! Traurige Realität im Rasseland D! Seit ich Listenhundhalter mit Hundesportaktivität war ( bis 2000) war mir nicht bewußt welche Angst man in D haben muß wenn eine Rasse nicht erwünscht ist.

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