Sollte man seinen Hund kastrieren lassen?

2015-08-16 15.53.18

In so manchem Gespräch mit anderen Hundebesitzern höre ich „Weisheiten“, die man seit vielen Hunde-Generationen befolgt und nicht in Frage stellt. An ihnen macht man fest, ob man den eigenen Hund kastrieren lässt oder nicht. Dazu gehören:

  • Der ist aggressiv! Er muss kastriert werden dann verschwindet dieses Verhalten!
  • Der besteigt ständig andere Hunde! Nach einer Kastration hört er damit auf!
  •  Kastrierte Hunde werden schnell fett und faul! Sie verändern sich stark von ihrem Wesen.
  • Eine kastrierte Hündin kann keinen Krebs bekommen!

Aber was ist eigentlich eine Kastration? Und was ist an diesen Vorurteilen dran? Woher weiß ich, ob eine Kastration sinnvoll für meinen Hund ist? Wir möchten etwas Licht ins Dunkel bringen.

  • 2015-08-31 16.37.17Bei einer Kastration des Rüden entfernt der Tierarzt die beiden Hoden (Keimdrüsen) in einer Operation. Der Rüde ist nach der Kastration unwiderruflich unfruchtbar und kann keine Hündinnen mehr decken. (Quelle)
  • Bei einer Kastration der Hündin (Ovariektomie) entfernt der Tierarzt die Eierstöcke (Keimdrüsen) in einer Operation. Meist entnimmt er der Hündin zusätzlich die Gebärmutter (Ovariohysterektomie). Die Hündin wird durch den operativen Eingriff unfruchtbar. (Quelle)

Zuerst einmal ist zu sagen, dass schlechtes Verhalten hormonell bedingt sein kann, aber nicht muss. Ein aggressiver Hund der sich nicht mit Artgenossen versteht, wird auch nach der Kastration nicht über Nacht die Regeln des Hundekontakts erlernen. Allerdings können zB Rüden, die aufgrund von Konkurrenzverhalten andere Rüden nicht dulden, sehr wohl davon profitieren. Um herauszufinden, ob sich das Verhalten des eigenen Hundes ändern würde, empfiehlt sich zuerst einmal der Besuch bei einem Trainer und/oder die Gabe eines Hormonchips bei Rüden. Dieser greift für einen gewissen Zeitraum in den Hormonhaushalt ein und macht dem Rüden für diese Zeit unfruchtbar. So lässt sich leicht bestimmen, ob das „böse Benehmen“ hormonell bedingt ist oder nicht.

Desweiteren ist zu sagen, dass das Argument des Besteigens anderer Hunde sehr oft auch mit Dominanz zu tun hat und vom Menschen einfach fälschlicherweise als Sexualverhalten angesehen wird. Ich kenne mehrere kastrierte Hunde, die dieses Verhalten immernoch zeigen. Sie wollen wahrscheinlich einfach klarmachen, dass sie das Sagen haben.

4Außerdem ist der Mythos, dass kastrierte Hunde alle fett und faul werden, absolut nicht wahr. Es mag sicher Hunde geben, bei denen man die Futtermenge etwas reduzieren muss um das Gewicht zu halten. Das liegt aber einfach an der geminderten Energie, die das Tier zur „Partnersuche“ aufbringt. Alle kastrierten Hunde die ich kenne, haben sich absolut nicht gewichtstechnisch oder von der Aktivität verändert. Sie brauchen die gleiche Aufmerksamkeit und Ruhephasen wie vorher.

Es wird behauptet, dass man eine Hündin vor der zweiten Läufigkeit kastrieren sollte. Täte man dies nicht, bestehe ein 25%iges Risiko eines Tumors im höheren Alter. Ob es sich hierbei nun um gutartige oder bösartige Tumore handelt, wird jedoch nicht bedacht. Auch die Frage, wie man auf diese Zahlen kommt stellt sich mir an dieser Stelle. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man in den 1970er Jahren als diese Studie gemacht wurde, bereits über Prädispositionen einzelner Rassen Bescheid wusste. Genau deshalb ist diese veraltete „Studie“ als wage Vermutung einzustufen. Für uns ist dieser Grund zumindest unzulässig. Ich schneide mir ja auch nicht die Beine ab, nur weil ich sie mir sonst irgendwann mal brechen könnte.

Man sollte übrigens dringend davon ablassen, seinen Hund werfen zu lassen, wenn man nicht züchtet. Den Grund dafür findet ihr hier. Es ist ein Ammenmärchen, dass jede Hündin mindestens einmal werfen sollte, weil es ihr „gut tut“.

Es ist übrigens auch nicht zulässig, einen Hund ohne medizinischen Grund kastrieren zu lassen. Das deutsche Gesetz verbietet dies. Leider interessiert das nicht viele Tierärzte. Hier sieht man deutlich, welcher Tierarzt nur auf das Geld aus ist und welcher informiert ist und einen gewissen Weitblick besitzt. Ein guter Tierarzt berät an dieser Stelle ausführlich und rät davon ab, einen Hund grundlos den Strapazen einer OP auszusetzen.
Auch mir wurde schon geraten, meine Hündinnen kastrieren zu lassen, obwohl sie keine Probleme haben. Aber wieso? Sie haben keinerlei Beschwerden oder Stress durch die Läufigkeit, sind nichtmal erwähnenswert scheinschwanger.

2014-12-31 19.39.38Allerdings muss auch hier erwähnt werden, was denn an dieser Stelle „medizinische Gründe“ sind, die eine Kastration durchaus rechtfertigen.
Viele Rüden sind dauergestresst, wenn in der Nachbarschaft läufige Hündinnen unterwegs sind. Sie heulen, schlafen kaum und nehmen stark ab. So hatte auch Benji vor seiner Kastration „Liebeskummer“ 😉 Eine Kastration half ihm, dieses Problem zu lösen und ihn vor allem vom Stress zu befreien. Heute reagiert Benji so nicht mehr so, wenn er eine läufige Hündin erschnüffelt.

Aber ACHTUNG: Einge Rüden würden trotz Kastration noch Hündinnen decken. Davon ist dringend abzusehen! Leider hörte ich schon Sätze wie „Lass denen doch ihren Spaß, es kann doch nichts mehr passieren!“, jedoch vermenschlichen solche Leute das Liebesspiel der Hunde zu sehr. Bei Hunden ist es lediglich der Instinkt, der sie treibt. Beide Tiere sind in dieser Situation enorm gestresst, die Hündin hat womöglich schmerzen. Außerdem erhöht ein Deckakt das Risiko, dass die betroffene Hündin kurze Zeit später enorm unter einer Scheinschwangerschaft leiden könnte. Diese kann nämlich durch den vergangenen Deckakt verstärkt werden. Also Bitte beaufsichtigt IMMER eure Hunde und verhindert diesen „Spaß“!

Besonders bei einigen Hündinnen gibt es viele medizinische Gründe, die eine Kastration befürworten. Sieht man sich den Ablauf der Läufigkeit einer Hündin an, so erkennt man dass ALLE Hündinnen scheinschwanger werden. Einige jedoch mehr als andere. Es gibt Hündinnen wie Lana und Maila, denen man kaum etwas anmerkt und die davon nicht beeinträchtigt werden. Leider gibt es aber auch viele, die starken Milcheinschuss bekommen, Nestbauverhalten zeigen und Gegenstände als ihre „Welpen“ ansehen um diese bis aufs Blut zu beschützen. Viele Hündinnen sind hier fast als depressiv zu bezeichnen, sitzen nur noch herum und wirken regelrecht traurig. Diese extremen hormonellen Schwankungen sind sehr belastend für die Hündinnen und man sollte sich bei öfterem Auftreten hier eindeutig überlegen, ob man seiner Hündin diese Probleme nicht nehmen will. Auch ist eine Gebärmutterentzündung, die nicht mehr medikamentös behandelbar ist, natürlich ein legitimer Grund, sein Tier kastrieren zu lassen.

3 Gedanken zu „Sollte man seinen Hund kastrieren lassen?

  1. Kann mich Achim nur anschließen. Sehr interessant. Meine Maus habe ich schon kastriert bekommen, aber dick geworden ist sie auf keinen Fall.
    LG Vanni mit Sandy

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