Kupieren – Muss das sein?

Als nahezu Einzigste Blogseite die sich mit Listenhunden beschäftigt, möchte ich heute mal ein besonders schweres Thema anschneiden, bei dem sich die meisten deutschen Hundehalter ausnahmsweise mal einig sind – das Kupieren.

Das Kupieren bezeichnet die operative Entfernung der Ohren und/oder der Rute des Hundes durch den Menschen. Dieser Eingriff ist in vielen Ländern immernoch Brauch und war bis vor einiger Zeit sogar im Rassestandard mehrerer Zuchtvereine fest verankert.

2015-10-23 10.14.52Pitbulls, Staffords, Dobermännern und ähnlichen Rassen werden in einem Alter von meist 7-14 Wochen Teile der Ohren amputiert. Heutzutage geschieht dies meist beim Tierarzt unter Vollnarkose. Hierbei wird das Ohr in ein Metallgestell (Kluppe) eingeklemmt und dann abgeschnitten. Durch die Kluppe wird sichergestellt, dass beide Ohren nach dem Kupieren eine identische Form aufweisen. Die Wundränder werden anschließend vernäht.
Nach dem Abschneiden der Schlappohren ist jedoch der Vorgang nicht vorbei. In den kommenden Wochen und Monaten müssen die Ohren verklebt (getapet) werden. Hierbei werden sie durch Klebeband fixiert und aufgestellt. So wird verhindert dass sich die Wundränder zusammenziehen und es kann sich der Ohrknorpel verhärten. Der Hund bekommt das charakteristische Stehohr.
Nicht jedes Kupieren ist gleich. Es haben sich im Laufe der Jahrhunderte bestimmte „Schnitte“ entwickelt. So gibt es den „Battle Crop“ für Kampfhunde, den regulären „Short Crop“, den „Show Crop“ für Ausstellungshunde und den „Long Crop“ für Boxer, Dobermänner und beispielsweise Doggen. Hier könnt ihr sehen, wie die einzelnen „Crops“ am Hund aussehen.

Boxern und anderen Jagdhundrassen werden 1-3 Tage nach der Geburt die Rute hinter dem Wirbel abgetrennt. Dies geschieht entweder mit einem Skalpell oder mit einem Gummiband, das die Blutzufuhr stoppt und das untere Schwanzende absterben lässt. Das Resultat wird „Docked Tail“ genannt.
Früher versprach man sich davon irrtümlicherweise eine Entwurmung. Da die Sehnen der Rute in diesem Alter noch sehr zart sind und somit wirken wie Würmer, erwartete man hiermit ein absterben eben dieser und vermutete, dass der Hund somit wurmfrei sei. Natürlich ist das vollkommener Quatsch.

Befürworter des Kupierens sprechen von einer geringeren Anfälligkeit der Hunde. Jagdhunde wären nicht mehr so verletzlich, wenn sie im Gestrüpp nach Wild suchen würden und Wachhunde könnte man durch die fehlende Rute und die Ohren nicht so schnell verletzen.
Besonders oft werden in diesem Zusammenhang auch die Knickstellen der Schlappohren benannt, die bei den meisten Hunden gerötet und entzündet sein können.
Manch einer verspricht sich damit, dass sein „Kampfhund“ aggressiver aussieht und man mehr Respekt vor ihm habe. Einige Hundehalter empfinden aber kupierte Hunde auch einfach als schöner als unkupierte.

Da ich einige Zeit viel in Amerikanischen Facebookgruppen unterwegs war, habe ich festgestellt dass es in Amerika viel offenere Sichtweisen gibt als hier in Deutschland. Schätzungsweise jeder dritte Pitbull ist dort kupiert. Man kennt es dort oft nicht anders und hinterfragt diese Vorgehensweise nicht. Fragt man in so einer Gruppe nach einem guten Tierarzt, der erfahren im „Cropping“ ist, bekommt man viele Empfehlungen wen man denn mit seinem Welpen aufsuchen kann. Nur etwa 1/3 der Antwortenden kritisiert in so einem Fall. Für mich ist das sehr befremdlich. In meinem Leben habe ich hier wenn es hochkommt maximal 3 kupierte Hunde gesehen.

74591_419440061490639_1165027390_nIch persönlich empfinde ebenfalls kupierte Hunde als hübscher und stehe auch dazu. Jedoch ist mir voll und ganz bewusst, dass die Tiere dadurch monatelang erhebliche Schmerzen durchleben müssen. Meinen Hunden würde ich so eine Tortur niemals antun. Ich empfinde die Ohren meiner Hunde als Teil ihrer Persönlichkeit. Besonders Ohren und Rute des Hundes sind wichtig für seine Kommunikation. Es ist ein Greuel, seinem Tier nur aus ästhetischen Gründen Schmerzen zuzufügen und es in seinem Sozialverhalten einzuschränken. Auch kann ich den Standpunkt der Jäger wenig verstehen. Ich denke nicht, dass ein kupierter Hund sich viel weniger verletzten kann als ein unkupierter.

Meiner Meinung nach zurecht ist in Deutschland das Kupieren der Rute seit 1998 und das Kupieren der Ohren bereits seit 1987 verboten. Österreich zog im Jahr 2000 nach und verbot beides ebenfalls. Lediglich jagdlich genutzte Hunde oder Hunde die aufgrund medizinischer Indikation kupiert werden müssen, dürfen es noch. Außerdem darf man kupierte Hunde nicht nach Deutschland einführen. Trotzdem stammen auch heute noch viele kupierte Hunde aus dem Ausland. Es gibt eben leider immer einen Weg, Gesetze zu umgehen.