Wenn ein Welpe einzieht… (3)

Nachdem wir uns im ersten Teil der Vorbereitung auf einen neuen Vierbeiner und im zweiten Teil etwas über die ersten gemeinsamen Tage geschrieben haben, geht es in diesem Teil nun um die kommenden Wochen und Monate mit dem neuen Familienmitglied.

Der erste Tierarzt-Besuch
Hat sich euer neuer Freund ein paar Tage eingelebt, kann man das nächste Ziel angehen: den ersten Tierarztbesuch.
Wer seinen Vierbeiner aus nicht so tollen Verhältnissen hat, sollte dringend impfen, chippen und ggf. entwurmen lassen. Viele Welpen sind voller Würmer und in Deutschland herrscht außerdem die Chippflicht. Auch die Grundimmunisierung sollte in diesem Alter gemacht werden. Sie ist die Basis an Schutz für euren Hund. Ich habe pro Impfung etwa 30-50€ gezahlt (pro Impfung, 3 Impfungen insgesamt). Das Chippen hat damals um die 50€ gekostet.
Hinweis: Das Chippen eines Hundes ist zwar in Deutschland seit Jahren Pflicht, jedoch leider nicht seine Registrierung. Ihr müsst euren Hund ggf. also selbst mit seiner neuen Chipnummer registrieren. Tasso e.V. bietet diesen Service kostenfrei an. Läuft euer Hund in seinem Leben irgendwann einmal weg, kann er auf diesem Wege seinem Besitzer zweifelsfrei zugeordnet werden und kommt so schneller wieder nachhause.
Achtet darauf, dass der Welpe den Arztbesuch von Beginn an als positiv erlebt. Kleine Leckereien und ein netter Tierarzt sind also empfehlenswert 😉 Ist das Würmchen auf dem Arzttisch und es steht ein unangenehmer Teil bevor, händelt man es am Besten wie mit Kindern: ablenken. Während des Fiebermessens oder der „bösen“ Spritze füttert man einfach vorne weiter und kuschelt kurz ganz besonders doll mit seinem Vierbeiner. Bis heute nutze ich diese Methode und sie funktionierte selbst zuhause, als ich die Damen selbst gespritzt habe. Sie freuen sich bis heute wie Bolle über Tierärzte und sind sehr entspannt.

Tipp: Nicht jeder Tierarzt ist gut. Schaut euch genau an, wie er mit den Vierbeinern umgeht und ob die Sympathie stimmt. Lasst euch in so einem Alter keine weiteren Dinge wie Futter oder Kastrationstermine aufschwatzen (besonders bei Letzterem sollte man gleich kehrtmachen). Belest euch erst über alles, was ein Tierarzt euch für euren Hund vorschlägt und stellt auf jeden Fall Fragen, wenn ihr etwas nicht verstanden habt. Vertrauen ist wichtig. Wissen auch.

 

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Es gibt Hundemenschen, die ihren Hund erst von der Leine lassen, wenn er älter und größer ist. Habt ihr jedoch einen Hund erwischt, der eher nicht dazu neigt eigenständig zu sein, könnt ihr das Ganze verkürzen.
Ich hatte unheimlich Angst, dass Lana wegläuft sobald die Leine ab ist. Trotzdem riet mir mein damaliger Freund, es einfach zu tun. Ich habe Lana also bereits am zweiten Abend „entfesselt“ und erstaunt festgestellt, dass sie mir ohne Probleme folgte. Viele Welpen haben den Instinkt, ihrer Bezugsperson zu folgen und so konnte sie bereits mit 9 Wochen problemlos frei laufen. Das Gute daran wenn man seinem Vierbeiner das Ganze so früh wie möglich beibringt: er ist noch nicht so schnell, wenn er doch mal etwas anderes spannender findet. Als Lana mit etwa 3 Monaten in die Phase kam, zu anderen Menschen oder Hunden hinzulaufen, konnte ich sie flinken Schrittes wieder zurück holen. Hinzu kommt, dass Fremde bei so einem kleinen Hund meistens von der Niedlichkeit überwältigt sind und das Ganze so garnicht als bedrohlich empfinden. So hat man ein größeres Zeitfenster, um unangenehme Freilaufprobleme abzutrainieren. Hat man einen 6-monatigen Pitbullmix, der wahllos zu Fremden läuft, sieht das schon anders aus.
Lana hat so auch als Junghund nie den Drang gehabt, wegzulaufen. Egal was kam, man konnte sich darauf verlassen dass sie sich in einem Umkreis von 10 Metern um Frauchen aufhält und alles andere nahezu unwichtig war.

 

Sozialisierung
Nach den ersten paar Tagen des Ankommens beginnt der eigentliche Alltag mit Hund. Euer Vierbeiner sollte neben den Grundkommandos nach und nach auch immer mehr Dinge in seinem Umfeld kennenlernen, zB.:

-Große Menschen, kleine Menschen, komische Menschen
-andere Hunde verschiedenster Rassen
-andere Tiere
-Bahn- und Autofahren
-verschiedene Gegenstände
-laute Geräusche
-fremde Orte und Gerüche

… die Liste ist endlos lang.

Wichtig ist, dass man niemals zu viel fordert und alles in Ruhe angeht. Euer Welpe sollte lernen, dass er sich in jeder Situation auf euch verlassen kann. Das ein oder andere Leckerli kann neben viel Lob auch unterstützend wirken. Man sollte immer darauf achten, dass das Training im Positiven mit einem kleinen Lerneffekt beendet wird.
Welpen haben eine bestimmte Prägephase, in denen sie Dinge die sie erleben und lernen für lange Zeit abspeichern. Es liegt also an euch, dem Würmchen in diesem Zeitraum möglichst viel Positives beizubringen.
Klein Lana war ein sehr aufgeschlossener Welpe, der jedoch vor bestimmten Dingen Angst hatte. Besonders umherfliegende Tüten, leere Flaschen und Mülltonnen gehörten dazu. Ich habe es von klein auf so gehandhabt, dass ich selbst sehr nah an „gruselige“ Dinge herangegangen bin und sie ggf. berührt habe. Sie stand erst einmal da und hat mich beobachtet. Irgendwann kam sie dann zu mir und hat sich das vermeintliche Grauen selbst angesehen und geschnuppert. Sobald sie gemerkt hat, dass sie nicht gefressen wird hat sie dann mit der speziellen Mülltonne Frieden geschlossen 😉 Noch heute zeigt sich, dass es sinnvoll war das Ganze so zu handhaben. Lana erschreckt sich manchmal vor etwas und geht dann eigenständig darauf zu, um sich vorsichtig mit dem jeweiligen Gegenstand „anzufreunden“. Hier könnt ihr etwas über den Umgang mit einem ängstlichen Hund lesen.

 

2016-09-21-10-40-23Fehler machen?
Letztenendes ist es egal, wie gut man sich auf die Zeit mit einem Hundewelpen vorbereitet.. Es können schnell mal Dinge falsch laufen. Ich habe damals bei Lana noch absolut null Hundeerfahrung gehabt und bereue so einige Dinge, die ich hätte besser machen können.
Oftmals ist jedoch das Bauchgefühl hier das Richtige und man sollte sich ganz an den Charakter seines Hundes anpassen, wenn es um die Erziehung und Sozialisierung geht. Manch ein Welpe ist schneller in seiner Entwicklung und der nächste braucht eben etwas länger. Das ist alles vollkommen normal. Seid ihr euch mal nicht sicher, holt euch rechtzeitig! Rat bei einem Fachmann. Es ist nicht falsch, sich Hilfe zu holen wenn man zweifelt. Jeder kann man Fehler machen.
Ich habe damals bei Lana oft Bedenken gehabt, ob ich sie zu einer souveränen Hundedame erziehen kann.. letztendlich konnte ich das Ganze aber mit meiner Angst nicht besser machen. Trotz allem ist das einst winzige Würmchen zu einer hübschen Hundedame im Besten Alter herangewachsen.
Ein letzter Tipp: Auch Entspannung in der Welpenerziehung tut manchmal gut 😉

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