Mit Hund auf dem Weihnachtsmarkt?

Kaum geht die Weihnachtssaison los, hört man ständig Warnungen davor, seinen Vierbeiner mit auf den Weihnachtsmarkt zu nehmen. Für die meisten Hundebesitzer (und auch die, die eigentlich keine Ahnung von Hunden haben), ist es vollkommen inakzeptabel, seinen Vierbeiner so einer Situation auszusetzen. Ein Hund gehört nicht auf den Weihnachtsmarkt. Oder?

Tatsächlich sind viele der genannten Gründe vollkommen nachvollziehbar.
Ganz besonders auffällig sind die Hundebesitzer, die ihren Hund absolut nicht beachten, während sie sich durch die Menge quetschen. Der Vierbeiner ist längst verängstigt und weiß nicht wohin er laufen soll. Er wird aus Versehen getreten und friert stundenlang schlotternd am anderen Ende der Leine, während Herrchen oder Frauchen gemütlich Glühwein schlürfen.
Zum einen ist es je nach Uhrzeit wirklich voll auf den Märkten. Und zwar so voll, dass man selbst schon Mühe hat, sich vernünftig fortzubewegen. Ich habe selbst schon kleine Hunde und sogar Welpen erlebt, die sich nicht nur vor Panik fast am schlecht sitzenden Halsband fast selbst erdrosselt haben, sondern einfach übersehen wurden und so ständig fremde Füße spüren mussten.
Auf Augenhöhe unserer Vierbeiner ist ein Weihnachtsmarkt vermutlich eher weniger schön, denn dort unten sieht man vor allem als kleiner Vierbeiner nur Beine, Matschpfützen und Müll. Viele Hunde, die Menschenansammlungen nicht gewöhnt sind, verängstigt das. Hinzu kommt noch die Kulisse an verschiedenen Geräuschen und Gerüchen. Dementsprechend ist es für unsere Vierbeiner dunkel, laut, stressig und für gefühlt mindestens 50% der Hunde die wir bisher angetroffen haben – auch noch Arschkalt. Ich weiß nicht, wie man sich als Besitzer so benehmen kann und gemütlich von Stand zu Stand schlendert während der Dackel, der psychisch völlig fertig am anderen Ende der Leine hängt, durchgängig gelatscht wird, klitschnass durch das Wetter ist und sich die Seele aus dem Leib zittert. Selbst Welpen und Kleinsthunde, die besonderen Schutz bräuchten werden gnadenlos eines hohen Verletzungsrisikos ausgesetzt – nicht nur sich selbst, sondern auch Fremden gegenüber.

Was viele jedoch nicht sehen, ist dass es nicht so laufen MUSS.

In der letzten Woche hat natürlich auch bei uns die Weihnachtsmarkt-Saison begonnen. Endlich gibt es wieder Grünkohl, Knacker und vor allem Glühwein 😉 
Während wir letzten Sonntag gemütlich über den Markt schlenderten, sah ich neben mir aus dem Augenwinkel etwas, dessen Bewegungen mir bekannt vorkam. Ich wollte mir das Drama schon garnicht mehr ansehen, schaute dann aber doch.
Es war die Silhouette zweier Windhunde, die uns überholten. Dick eingepackt in ihre Mäntel schlenderten sie gemeinsam mit Frauchen über den – zugegeben – schon relativ vollen Weihnachtsmarkt. Während Frauchen nun direkt vor uns an einem Wurststand anhielt standen die beiden Riesen eingepackt in ihrem roten Hundemantelplüsch seelenruhig in der Menge. Das wackeln ihrer Nase schien zu verraten, dass sie die Salami gerochen hatten, die dort von der Decke des Standes hing. Die beiden folgten ihrem Frauchen ohne mit der Wimper zu zucken – keine Spur von Angst oder Stress. Die drei gaben ein dermaßen passendes Bild als Gemeinschaft ab dass ich kurz innehielt, um sie zu beobachten.

Als ihr Frauchen gerade dabei war sich etwas vom Stand auszusuchen und zu zahlen, wurde sie plötzlich plump von hinten angerempelt. Eine zweite Dame war der Meinung, sie müsse lauthals ihre Meinung kundtun. Die Tiere seien ja arm dran mit so einem Besitzer, wie kann man nur so ein Tierquäler sein und seinen Hund mit auf den Weihnachtsmarkt nehmen! Die beiden Windhunde in Feinstem Plüsch verpackt schauten die Dame genervt an als würden sie verstehen um was es geht, und auch ihrer Besitzerin wurde es angesichts der wüsten Beschimpfungen zu bunt. Sie zahlte und machte sich schnell aus dem Staub tiefer hinein ins Marktgeschehen, um den Blicken der ebenfalls verwirrten Passanten auszuweichen. Die Moral aus der Geschichte?

Nicht jeder ist gleich.
Es gibt Hundebesitzer, die möchten gewisse Dinge eben „hundfrei“ genießen und den Vierbeiner lieber zuhause lassen. In 90% der Fälle gehöre ich auch dazu. Es gibt nunmal Momente, da möchte ich meine Ruhe vor den Damen haben und auch einfach mal einen Eierpunsch mit anderen Zweibeinern genießen können 😉
Denkt man jedoch einmal wertfrei nach, gibt es bei solchen Märkten kaum Unterschiede zu einer Sozialisierung in einem Einkaufszentrum oder der Innenstadt. Ist man mit seinem Vierbeiner unterwegs, wenn es nicht zu voll ist kann das Ganze eine sehr positive Übungssituation werden. Es gibt so viele Gerüche und Eindrücke zu entdecken. Ein junger Hund kann hier lernen, auch im Trubel zu funktionieren und sich auf seinen Besitzer zu verlassen. Auch mit den Damen sind wir in ihren jungen Jahren an viel belebte Orte gefahren, um ihnen so etwas beizubringen.
Es ist also vollkommen in Ordnung, wenn Menschen ihren Ausflug mit ihrem Vierbeiner teilen möchten. Jedoch gibt es davor einiges zu bedenken. Das Grundproblem sind nämlich nicht die Hunde, sondern wie die jeweiligen Menschen mit ihnen und der Situation umgehen.

Wer seinen Vierbeiner mit auf den Weihnachtsmarkt nehmen möchte, sollte immer im Hinterkopf haben, dass so ein Ort voller Trubel nicht für jeden Hundecharakter gut ist. Es ist nunmal auf jedem Markt voll und laut. Ängstliche Hunde sind oft überfordert und man sollte es ihnen ersparen, eine Reizüberflutung mitzuerleben.

Absolute Grundvoraussetzung ist hier, dass man immer auf seinen Vierbeiner achtet.
Wenn man einen Angsthund hat, der schnell von zu vielen Eindrücken überrumpelt ist, sollte man solche Ausflüge lieber ganz lassen oder sich nur am Rand des Geschehens aufhalten. Überfordert man seinen Hund, kann man ganz schnell die vorhandene Angst verschlimmern.
Man sollte außerdem unbedingt auch auf die Größe seines Hunde achten. Läuft man durch die Menschenmenge, sollte man immer schauen, dass er genug Platz hat, um zu folgen und vor allem auch nicht übersehen oder bedrängt wird. Ein kleiner Hund wird wie schon erwähnt nicht nur zur Stolperfalle für andere, sondern wird selbst auch einfach ständig getreten. Es empfiehlt sich deshalb, kleinere Hunde zu tragen, damit sie nicht „unter die Räder kommen.“ Ich habe schon viele Kleinsthunde erlebt die es ganz unterhaltsam fanden, von Frauchens oder Herrchens Arm aus das Geschehen um sie herum zu beobachten.
Alte oder kleine Hunde und Vierbeiner mit kurzem Fell brauchen dringend einen Mantel. Oftmals steht man länger an einer Stelle, es ist kalt und nass. Nimmt man seinen Vierbeiner mit auf den Weihnachtsmarkt, muss man wie sonst auch darauf achten, dass es ihm an Nichts fehlt. Immerhin soll das Ganze ja positiv werden. Gerade deshalb: Hat man seinen Hund dabei, sollte man nicht stundenlang dort bleiben und immer darauf achten, dass es nicht alles zu viel wird.

Besitzt man einen gut sozialisierten Vierbeiner ausreichender Größe, der auch mit vielen Menschen keine Probleme hat, können solche Ausflüge auch angenehm werden. Maila ist aufgrund ihres Charakters, aber auch unserer Erziehung erstaunlicherweise so ein Hund geworden. Sie ist vollkommen Schreckresistent, einen Mauli gewöhnt und scheint es nahezu zu lieben, mitten im Trubel unterwegs zu sein. Sie war mit Frauchen schon auf dem Rummel, hat einer Blaskapelle zugehört und steht freiwillig an Silvester um 0 Uhr auf dem Balkon, um sich das Feuerwerk der Nachbarn anzusehen 😉 Es gibt also nichts, was dagegen spricht, dass solch ein Vierbeiner in Übung bleibt. Besonders bei größeren Familienfeiern hat sich dieses Training ausgezahlt. Das kleine Wusel kann sich dort frei unter die Gäste mischen und ist nicht zwangsweise zuhause eingesperrt. Und genau das ist es doch, was der Sinn der Sozialisierung ist. Jeder, der seinen Hund ohne vorheriges Training einer solchen Situation aussetzt, handelt nicht im Sinne seines Vierbeiners.

Wie man es auch anstellt: nimmt man seinen Hund mit auf eine öffentliche Veranstaltung, ist man immer etwas gehandycapt und trägt besonders hier noch mehr Verantwortung. Manch einen stört so etwas, den anderen nicht. Manch einer findet es sinnvoll hier Zeit zu verbringen, der andere nicht. Und leider gibt es auch Leute die nicht auf ihre Tiere achten, während andere wie die Dame oben gute Arbeit tun und dafür trotzdem alles Negative abbekommen. Natürlich sollte man Besitzer ansprechen, dessen Tier sich in so einer Situation quält. Besonders in der Hundewelt, in der es viele verschiedene Meinungen gibt, sollte man jedoch vielleicht doch einmal genauer hinschauen.

 

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