Der Fuchs als Haustier

Okay, heute weichen wir etwas vom Thema Hund ab, ganz im Sinne der Forschung. Es geht um Eurpoas am weitest verbreiteten Wildhund – den Fuchs.
Heute Morgen bin ich auf ein interessantes Video gestoßen. Ein Journalist hat in Amerika eine Forschungseinrichtung besucht. Hier leben auch Hunde, aber noch mehr zahme Füchse. Diese Einrichtung betreibt eine Forschungsarbeit, in der es um die Genetik geht. Es wird erforscht, wie Wildtiere zu Haustieren wurden. So ein zahmer Fuschs ist nicht nur schön anzusehen, sondern auch etwas ungewohnt und Wert, einen Blick auf die Ursprünge unserer Haustiere zu werfen. Schauen wir uns also die Forschungsarbeit mal etwas genauer an.

Der Ursprung liegt in Sibirien
Dort entstand 1957 eine Pelzfarm mit Silberfüchsen. Hier wurden – wie auf Pelztierfarmen üblich – Füchse in kleinen Käfigen auf einem großen Gelände gehalten, Käfig an Käfig, Baracke an Baracke. Diese Tiere führen ein trauriges Leben auf nicht einmal 1qm, bis sie irgendwann ausschließlich für ihr Fell getötet werden. Dieses wird dann weiterverarbeitet und gelangt in die Kleidungsindustrie, wo es später beispielsweise Mäntel schmückt. So ereilte nicht nur Silberfüchse dieses Schicksal, sondern auch unzählige weitere Tiere, wie Nerze, Marderhunde, Chinchillas oder Kaninchen. Denn: früher war es ein Zeichen von Wohlstand, Pelzmäntel zu besitzen. Selbst unsere Großeltern haben noch Jacken mit echtem Pelz in ihren Schränken. Noch heute gibt es in Europa etwa 6000 Pelztierfarmen, davon 7 in Deutschland. Aber ich schweife ab, der Handel mit Pelzen soll hier nicht das Thema sein.

In dieser einen Pelzfarm in Novosibirsk kam jedoch ein Forscher ins Spiel. Dmitri Belajew wollte mithilfe seiner Forschungsarbeit versuchen Füchse zu züchten, die grundsätzlich zutraulicher gegenüber Menschen sind als die sehr scheuen und wehrhaften Tiere in der Pelzfarm. In seinen Augen würde es die Arbeit und Zucht dieser sensiblen Tiere eindeutig erleichtern. Der Staat hörte von der Idee und war sehr interessiert daran, seinen Profit in diesem Industriezweig zu steigern und finanzierte so die Forschung Belajews. Ein Zuchtprogramm folgte.
In den folgenden Jahren wurden nur die Füchse zur Fortpflanzung freigegeben, die sich am zahmsten gegenüber Menschen zeigten. Hierbei ging es vor allem um die Kontaktaufnahme an den Käfigen. Ein Fuchs der schnappte oder floh, durfte sich nicht fortpflanzen, während ein freundlich schnuppernder, neugieriger seine Gene weitergeben durfte. Entgegen aller Erwartungen, zeigten sich schon nach einigen Generationen Veränderungen an den Füchsen. Diese sind bis heute faszinierend und lassen auch Rückschlüsse auf unseren Vertreter dieser Art führen – den Hund.

Es zeigte sich nämlich schnell, dass sich Zahmheit unter den Füchsen vererben ließ. Die Jungen, die aus einer Verpaarung von freundlichen Elterntieren stammten, waren ebenfalls mit hoher Wahrscheinlichkeit viel umgänglicher als ihre wilden Verwandten. War ein Mensch in Sicht, kamen diese Tiere zum Gitter und waren neugierig. Irgendwann ließen sie sich sogar streicheln und auf den Arm nehmen. Doch das war nicht die einzige Veränderung, die die Forscher wahrnahmen.
Die „neuen“ Füchse der Zucht zeigten nicht nur dass sie zahmer wurden, sondern ebenso gewisse Verhaltensweisen unserer Haushunde. Sie begannen bei Freude oder Aufregung mit dem Schwanz zu wedeln. Dieser wurde im Laufe der Zeit zu einem Kringelschwanz, wie es auch bei einigen Hunderassen wie beispielsweise dem Akita Inu üblich ist. Selbst in körperlicher Hinsicht veränderten sie sich also immer mehr in Richtung Haushund. Ihr Fell wurde fleckiger, bekam mehr Abzeichen und wurde weniger dicht. Ihre Schnauzen wurden kürzer und ihre Ohren entwickelten sich über die Generationen hinweg von Steh- zu Knickohren. Dies alles war nur auf die Zucht hin zur Zahmheit dem Menschen gegenüber zurückzuführen, denn auf andere Kriterien hin wurde nicht selektiert. Und diese Annahme ergibt tatsächlich Sinn, wenn man sich andere Nutztiere anschaut, die vom Menschen gezüchtet wurden. So haben Hausschweine ein weitaus dünneres Haarkleid als ihre wilden Verwandten. Auch Ziegen haben viel häufiger Knickohren als wilde Exemplare und ein deutlich kürzeres Maul. So gut wie alle domestizierten Haustiere haben eine deutlich höhere Fortpflanzungsrate als ihre wilden Verwandten.
Aufgrund dieser Zusammenhänge zwischen Zucht zum Menschen hin und Veränderung des Verhaltens und Körpers sprach man von nun an vom „Domestication Syndrome“. Man geht bis heute davon aus, dass zahme Tiere weniger Stresshormone produzieren als ihre wilden Verwandten und sich durch diesen Hormonunterschied auch der Körper nach einigen Generationen immer mehr verändert.

Noch heute wird Belajews Forschung weiterbetrieben.

Die Interaktion eines Menschen mit einem ehemaligen Wildtier ist verblüffend. Sieht man wie sich die zahmen Füchse verhalten, erinnern die Bewegungen und Verhaltensweisen einen doch sehr schnell an unsere domestizierten Hunde. Man kann sich leicht vorstellen dass unsere Vierbeiner so den Sprung ins menschliche Leben gemacht haben und wie sie sich langsam aber sicher zum Besten Freund des Menschen entwickelt haben.
Trotz allem bin ich bei diesen Bildern sehr zwiegespalten. Diese Füchse stehen irgendwo zwischen der Natur und dem Leben mit dem Menschen. Sie werden nie wirklich zahm werden, denn dafür braucht es weitaus mehr Zeit.

Interessant wird es, wenn man sich unsere Haushunde anschaut. Sie alle wurden zu einem bestimmten Zweck gezüchtet, sind aber immernoch in ihrem Innersten mit ihren Instinkten verbunden. Und manchmal gibt es auch heute noch Vierbeiner, die nicht ins normale Bild eines verschmusten Kuschelhundes passen. Man sollte sich immer vor Augen führen, dass auch unsere Hunde einst genetisch nicht vom Menschen abhängig waren. Gesteht man sich diese Tatsache ein, würde es sicher weitaus weniger tragische Vorfälle geben. Und es würde mehr Verständnis für sie geben in Situationen, in denen unsere Vierbeiner einfach so handeln, wie es ihre Vorfahren tun. 

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