Identitätskrise?

Wer uns hier schon etwas länger verfolgt, hat sicherlich mitbekommen, dass es auf unserem Blog sehr ruhig geworden ist. Und das hat mehrere Gründe.

Als Lea und ich uns vor über 6 Jahren trafen, waren wir beide irgendwie ziemliche Hundeanfänger. Benji war gerade einmal 1,5 und Lana und Maila noch fast Welpen mit ihren 7 oder 8 Monaten. Zu dieser Zeit waren wir beide noch Studenten und alles in allem auch eigentlich ziemlich ziellos, was wir mit unserem Leben anstellen.. unfassbar, wie die Zeit vergeht – und wie sich Dinge verändern. Und genau hier beginnt mein innerliches Problem mit diesem Blog.

Schämfaktor?
Ich denke, jeder der schon mehrere Jahre Hunde hat, kann sich an seine Zeit als frisch gebackener Hundemensch zurückerinnern. Was hat man nicht für Fehler gemacht oder seltsame Ansichten gehabt.. und genauso war es natürlich auch bei uns. Manchmal lese ich empörte Facebook-Posts über die Tatsache, dass andere Hundehalter ihre Hunde zu fremden, angeleinten lassen – und schäme mich innerlich zu Tode, weil ich das mit Lana als Welpe teilweise auch zugelassen habe. Für mich war damals glasklar: rennt mein Hund zu einem anderen angeleinten und es gibt Stress, muss der andere Halter seinen Hund eben richtig erziehen! Ist doch ganz einfach… oder auch nicht, wie ich später am eigenen Leib erfahren musste. Zwar war das noch vor unserer Bloggerzeit, aber das Prinzip um das es hier geht, ist dasselbe.
Ähnlich ist es nämlich bei uns auch mit der gesamten Kampfhundeproblematik verlaufen, die ja nun einen wichtigen Teil unseres Lebens darstellt. Ja, ich arbeite im Land Brandenburg, aber nein wir dürfen hier nicht wohnen. Das Spiel zieht sich seit Jahren hin und auch das ist nur auf meine eigene Blödheit zurückzuführen. Trotzdem: Wo ich früher aus eben diesem Grund Partout gegen die Rasseliste war, hat sich mittlerweile meine Meinung geändert.
Als unsere beiden Damen von Welt noch nicht ausgewachsen waren, waren wir auch hier auf diesem Blog sehr „Uschimäßig“ drauf. Ich wollte beweisen, dass meine Hündinnen trotz ihrer Rasse und den Auflagen kein Problem sind, das andere Ende der Leine und die Erziehung machen ALLES aus. So wird es ja seit Jahren immer zunehmender gepredigt. Nunja, was daraus geworden ist, wisst ihr sicher. Ich habe kein Problem damit, offen zuzugeben mich als Neuhundehalter mit zwei Hunden dieser Rasse verschätzt zu haben – mit 19 bin ich sicher nicht die Einzige gewesen die jung und dumm ist. Menschen machen Fehler, Shit happens, ziehs halt trotzdem durch und mach das Beste draus. Und mittlerweile haben wir uns arrangiert. Das nötige Wissen kam erst hinterher.

Wir haben diesen Blog gegründet, bevor unsere Hunde richtig erwachsen waren. Damals gab es viele Dinge, die wir deutlich anders gesehen haben und sie hier auch gepostet haben. Ich persönlich stehe nicht mehr hinter so einigem was wir hier verfasst haben, besonders betroffen sind die Beiträge aus unserer Anfangszeit. Deshalb habe ich bereits vor Monaten zaghaft begonnen, auszusortieren. Jedoch haben wir in den letzten 5 1/2 Jahren weit über 200 Beiträge verfasst. Es ist schon allein zeitlich neben einem Vollzeitjob, Pendeln, Hausarbeit und drei Hunden garnicht so einfach, so etwas zu korrigieren. Und da haben wir auch schon das nächste Problem.

Zeit ist Geld
Als Student – zumindest als nicht besonders ehrgeiziger oder erfolgreicher – hat man Zeit. Und zwar deutlich mehr, als ein Otto-Normal-Arbeitender. Das Leben ist leichter, man ist jung und hat so viel Motivation, sich mit Dingen auseinanderzusetzen. Davon träume ich heute nur noch.
Die Situation hat sich schon vor einiger Zeit geändert: ich habe begriffen, dass mir ein Studium in einem Bereich, der mich absolut null interessiert keinen Schritt im Leben weiterbringt. Ich begann mich auf die Suche nach Jobs mit Tieren zu machen und hatte endlose Probearbeitstermine, Fahrtwege und ebenso endlose Tage. Nicht zu wissen, ob man irgendwann mal jemanden findet, der einen unterstützt und die Traumausbildung ermöglicht, macht mürbe. Nach 1 1/2 Jahren Suche musste ich mir eingestehen, dass es selbst mit Abitur nicht möglich ist, in diese Richtung auch nur eine Ausbildung zu starten. Es musste ein anderer Plan her.
Ich begann also eine Ausbildung im Einzelhandel, um mit 23 überhaupt erstmal irgendwas in der Tasche zu haben und machte einen sehr guten Abschluss nach 1 1/2 Jahren. Seitdem arbeite ich im Einzelhandel – jedoch nur mit dem Ziel, Geld für eine Hundetrainerausbildung zu sparen und in ein paar Jahren eine Hundetagesstätte eröffnen zu können. Bis dahin heißt es: Arbeit, Arbeit, Arbeit. Es gibt Tage, da bin ich froh wenn ich einfach nur mit den Damen in den Wald gehen kann und keine Menschenseele sehen muss. Mir ist nicht nach Fotos oder fancy Erlebnissen, ich möchte einfach nur meine Restenergie nutzen und mit meinen beiden Damen dahintrotten und beobachten, wie sie ebenso zufrieden wie ich unsere Auszeit genießen. Prioritäten ändern sich, und meine Tiere zufrieden zu sehen ist mir wichtiger als andere Hobbies.

ptr

Chill mal
Wie schon erwähnt, hat sich vieles in unserem Leben geändert. Lana und Maila sind nun fast 7, keine Jungspunde mehr und manchmal (oder wie bei Maila mittlerweile immer) tut der ein oder andere Knochen weh – auch schon nach einer kurzen Spielsession mit Benji. Die Damen werden grau, der Schwabbel hängt noch mehr als damals in den guten Zeiten, und vermutlich sind sie auch nicht mehr Instalike. Mir ist es Wurscht, denn für mich sind sie immernoch Schönheiten.
Je länger wir unsere Hunde um uns haben, desto mehr hat sich irgendwie auch eine gewisse Routine und Abgebrühtheit gegenüber gewissen Themen, die in der Hundebloggerwelt riesen Wellen schlagen und zu Endlosdiskussionen führen eingestellt. Und ich weigere mich einfach, hier das nächste olle Hundekeksrezept unter 20 Milliarden anderen Blogs zu posten oder einen Steckbrief über die 10 liebsten Freizeitaktivitäten von Maila zu schreiben. Es ist mir auch vollkommen egal, ob irgendeine Schwurbel-Keramikkette gegen Zecken hilft oder nicht. Und was soll ich sagen, man lebt ruhiger. Frei nach dem Motto „Mach doch, ist doch dein Hund“. Ich poste nur, was einigermaßen sinnvoll für andere sein kann.
Wir waren schon immer ein Blog, der in seinen Posts eine Message rüberbringen wollte um seinen Lesern irgendwo einen Mehrwert zu bieten. Und das ist so scheinbar so eine Sache bei Blogs. Es gibt nicht viele, die sich nicht in Unsinnigem, leicht verständlichem Kram verlieren. Dazu kommt, dass bekanntere Blogger sich oft nicht mit kleineren zusammentun wollen. So haben wir schon vor Jahren beschlossen, dass uns das alles zu blöd ist und wir hier lieber allein vor uns hinschreiben. Ist nicht schlimm, bringt aber nicht so viel Beiträge.

Alles in Allem sind wir also fast andere Menschen geworden. Es ist schwer, da einzulenken und vor allem abzuschätzen, ob es überhaupt noch Sinn macht, den Blog so wie er ist weiterzuführen, und wenn ja – wie. Was ist eure Meinung: sollte hier alles einmal Generalüberholt werden? Oder lässt man lieber alles so wie es ist, um sich daran zu erinnern, welchen Weg man hinter sich hat? Lasst gerne einen Kommentar da, um zu zeigen wer uns trotz allem noch verfolgt.

1 Gedanke zu „Identitätskrise?

  1. Ich fände es schön, wenn Du einfach weiterbloggen würdest. Ich denke, dass es gut ist, Deine Entwicklung zu sehen.

    Ich kenne einen Blog, der zwei Mal gelöscht wurde und ich kann die dritte Version nicht mehr lesen, weil es nicht authentisch wirkt. Man weiß, was die Bloggerin vorher geschrieben hat und fragt sich, warum die dazu nicht mehr steht. Und man fragt sich, ob es ihre Meinung Sicht ist oder, ob es eher das ist, was der leser vermeintlich lesen möchte.

    Meinungen ändern sich, Erfahrungen kommen hinzu und die Erlebnisse machen uns zu dem, was wir sind. Wir sollten aber die Vergangenheit nicht löschen, sondern diese als Teil unseres Lebens unserer Persönlichkeit sehen. Wir alle verändern sich, reifen und wachsen… Es wäre schade um Deine früheren Gedanken und Ideen…

    Viele liebe Grüße
    Sabine

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