Das böse „K“-Wort

In der Hundeszene gibt es so manche Worte, die man lieber nicht aussprechen sollte. Dieses gehört definitiv dazu. Sind sich Listenhundbesitzer doch eigentlich in vielen Dingen einig, so prallen bei diesem Begriff oft Welten aufeinander. Es geht um den Begriff Kampfhund, der ständig hinterfragt und angeprangert wird. Aber warum eigentlich?

Die Geschichte der Kampfhunderassen
Der Begriff Kampfhund beschreibt Hunderassen die früher in Arenakämpfen eingesetzt wurden. Hierbei handelte es sich entweder um Kämpfe gegen andere Hunde, aber auch gegen andere Tierarten wie Wölfe, Bären, Dachse oder aber auch Ratten. Es kristallisierten sich Rassen heraus, die extra für diese Verwendung gezüchtet wurden. Man kreuzte Bulldoggen mit starkem Willen mit der Schnelligkeit der Terrier. Diese entstandenen Hundeschläge wurden unter dem Begriff „Bull-and-Terrier“ zusammengefasst. Aus diesen Vertretern entwickelten sich später beispielsweise der American Pitbull Terrier oder der Bullterrier. Aber auch kleinere Hunderassen wie der Yorkshire Terrier entstanden unter anderem zu diesem Zweck. Es wurde also gezielt Aggressionspotenzial gesucht und gefördert. Höchstes Gut war hier jedoch immer, dass der Hund niemals seinen Besitzer angehen durfte, denn das wäre in der Arena fatal. Man musste die Tiere immerhin noch trennen können, wenn es kein Kampf um Leben und Tod sein sollte.
Auch heute noch gibt es in vielen Regionen der Welt Hunde- und Tierkämpfe, vor allem im Ostblock und Amerika. Das Ganze wird auch heute noch besonders in armen Regionen wie ein Sport angesehen, es bietet leider Gottes einen gewissen Unterhaltungswert und es wird nicht selten Geld auf die Tiere gesetzt. Hunde, die oft gewonnen haben dürfen ihre Gene weitergeben und erreichen im Verkauf enorme Summen, ähnlich wie bei Rennpferden. Dass das Ganze tierschutzwidrig ist, darüber muss man nicht diskutieren.

Irgendwann erfolgte jedoch ein Umschwung: 1835 wurden Tierkämpfe immer verpönter und in Großbritannien, der Heimat der meisten „Kampfhundrassen“ verboten. Rassen wie der American Staffordshire Terrier wurden mehr und mehr zu Begleithunden. Alle aggressiven Eigenschaften waren in der Zucht nicht mehr erwünscht und wurden konsequent aussortiert. Die Bevölkerung war sich der Vergangenheit zunehmend weniger bewusst und die Hunde eigneten sich immer besser als Familienhunde. Ihre freundliche Art dem Menschen und vor allem Kindern gegenüber machte dies möglich. Auch mit einem Kampfhund ließ es sich relativ entspannt leben.

Mit dem Fall Volkan änderte sich jedoch das Bild der Bevölkerung gegenüber diesen Rassen schlagartig. Die Medien verbreiteten den Begriff Kampfhund intensiv unter einem schlechten Image. Hundebesitzer, die auch zu dieser Zeit schon Amstaff und Co. besaßen, berichten oft von einem extremen Umschwung. Konnte man vorher noch entspannt durch die Stadt laufen, wurde man plötzlich umgangen und sogar angefeindet. Die Rasseliste war geboren. Und der weniger geschichtlich angegriffene Begriff der Listenhunde mit ihr.

Die Außenwirkung macht`s
Allerdings steckt auch hier das Problem. Listenhundbesitzer kämpfen seit jeher dagegen, dass ihre Vierbeiner als aggressiv angesehen werden. Das Ganze ist existenziell wichtig, wenn man bedenkt dass es in einigen Länder vollständige Verbote für Kampfhunderassen gibt. Liebt man seinen Hund, möchte man ein möglichst gutes Bild in der Öffentlichkeit wahren und unterliegt dem – wenn auch unterbewussten – Zwang, immer ein gutes Bild für Außenstehende abzugeben. Seinen Hund als „Kampfhund“ zu betiteln bewirkt genau das Gegenteil eines guten Bildes. Es ist also schon etwas verständlich, dass einige nicht besonders glücklich reagieren, wenn sie auf der Straße mit den Worten „Ist das ein Kampfhund?“ angesprochen werden. Was antwortet man? Man weiß ja nicht, wie das Gegenüber auf ein „Ja“ reagiert.
Es dreht sich bei dieser Sichtweise jedoch eigentlich alles nur ums Image des Wortes. Rein logisch ist es korrekt, wenn man sagt man besitze einen Kampfhund. Denn: es gibt auch Jagdhunde oder Hütehunde. Hier fragt sich niemand, ob der Vierbeiner der vor ihm sitzt tatsächlich jagdlich geführt wird oder zuhause eine Herde Schafe auf ihn wartet. Es würde keinen Unterschied machen, der Begriff der „Jagdhunderassen“ würde trotzdem bleiben. Niemand würde sich angegriffen fühlen.

Wie man es dreht und wendet: es ist schon etwas verständlich, dass man nicht gern „Kampfhundbesitzer“ sein möchte. Es klingt einfach nicht schön und das Gegenüber könnte sofort das negative Image im Kopf haben, über das man selbst nur allzu gut Bescheid weiß. Jedoch sind auch die typischen Gegenfragen wie „Was ist ein Kampfhund?“ nicht wirklich angebracht, denn es gibt eine genaue Definition dazu, die – wertfrei betrachtet – auf jeden Listenhund zutrifft. Herkunft kann man nicht verleugnen.
Für uns ist es jedenfalls kein Schimpfwort, auch wenn bei uns ebenfalls vermieden wird das „K“-Wort zu nutzen. Es gibt einfach genug Menschen, die sich nichts böses denken und es wäre unangebracht, sich darüber aufzuregen.
Besonders bei Lana und Maila, die nun einmal nicht aus einer bedachten Zucht stammen und tatsächlich irgendwo in ihrer „näheren Genetik“ Kämpferblut aus dem Ausland in sich haben könnten, sieht man eindeutig das Erbe der ursprünglichen Kampfhunde. Die Willensstärke, die Unverträglichkeit mit vielen Artgenossen, aber auch die unheimlich loyale Liebe zu ihrem Zweibeiner. Das alles steckt in allen Listenhunden, und auch wenn man der Vergangenheit unserer Rassen verständlicherweise nicht positiv gestimmt ist, sollte man sie nicht versuchen zu leugnen. Nehmen wir unsere Hunde doch einfach wie sie sind, egal wie man sie nun betiteln mag. 

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