Leben mit Problemhund

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Heute ist es Zeit, einen etwas persönlicheren Beitrag zu veröffentlichen. Lange habe ich ihn im Hinterkopf behalten und war mir nicht sicher, ob ich ihn schreiben oder unter den Tisch kehren sollte. Letztendlich finde ich aber, dass auch Probleme zu unserem Leben dazugehören und dieser Beitrag vielleicht hilft, ein Tabuthema zu brechen. Das Thema Aggression wurde zwar bereits einige male auf unserem Blog angerissen, aber nie wirklich vollständig darüber erzählt.

Das Leben mit Hund stellt man sich meistens idyllisch vor. Man hat einen „Besten Freund“ an seiner Seite, mit dem man viel unternehmen kann und der einen überall hin mit begleitet. Doch was wird aus dieser Idee, wenn sich der eigene Vierbeiner in eine andere Richtung entwickelt? Wenn er Potenzial mitbringt, anderen Lebewesen zu schaden?

DSC_0408Viele mögen an dieser Stelle denken, dass so etwas nur Leuten passiert die ihre Hunde nicht erziehen. Aber das ist nicht so. Viele Rassen und auch Charaktere bringen besondere Anforderungen an ein Zusammenleben mit. Bei bestimmten Hunden ist es eben das Futter was rigoros verteidigt wird. Bei anderen wiederum besteht die Chance dass sie enormen Jagdtrieb mitbringen, oder sich mit fremden Menschen schwertun. Als Hundeanfänger oder Besitzer eines Hundes, der diese Eigenschaften garnicht oder nur leicht zeigt ist es schwierig zu begreifen, dass man bestimmte Dinge über Jahre hinweg trainieren muss und selbst dann nicht immer alles „rettbar“ ist. Denn im Hundetraining wird genau das gern suggeriert. Alles wird gut, man muss nur dran glauben und fleißig trainieren.
Jedoch ist es unmöglich, zB einen Herdenschutzhund aus zweiter Hand so hinzubiegen, dass er plötzlich jeden Fremden gut findet. Der Zweck dieses Hundes ist einfach aus erzieherischer und genetischer Sicht von klein auf ein anderer gewesen und der Hund steht somit in einem enormen Widerspruch mit sich selbst.
Weil niemand perfekt ist und das genetische Verhalten seines Wunschhundes zuerst nicht so wichtig gegenüber den Äußerlichkeiten erscheint, kann man schnell in eine ausweglose Situation geraten. Dementsprechend gibt es auch immer mehr Hunde, die nicht so sind wie man sie gern hätte. Und mit denen man in einem langen Trainingsprozess von auf und ab leben muss. Wir gehören dazu.

2015-11-04 10.24.05Lana und Maila sind Hunde mit Potenzial. Beide sind mit fremden Hunden absolut unverträglich und besonders Lana bekam auch noch einen enormen Jagdtrieb in die Wiege gelegt. Sieht sie Katzen oder den Nachbarshund, prescht sie in die Leine und ist mit NICHTS abzulenken. Es hilft nur, so schnell wie möglich diese Situation zu verlassen. Beobachtet man so ein Verhalten bei seinem Hund, versucht man natürlich Dinge zu ändern. Verschiedene Trainer gaben mir Tipps mit, und auch ich selbst habe spätestens nach dem Vorfall letztes Jahr sehr viel über Aggressionsverhalten lernen müssen. Wo ich früher ihr Potenzial an einigen Stellen unterschätzt habe, höre ich nun manchmal dass ich übervorsichtig bin. Jedoch geht es garnicht anders.

Nach unserem Vorfall im letzten Jahr bin ich regelrecht „traumatisiert“. An guten Tagen packe ich das alles recht selbstbewusst und bin auch in der Lage, mit beiden zu üben. An schlechten Tagen muss mich jedoch zwingen, in unserem Viertel Gassi zu gehen. Unsere Spaziergänge machen nur Spaß, wenn ich sicher gehen kann dass im Moment niemand in Sicht ist oder uns jemand begleitet. Denn nur dann können alle entspannen. An jeder Ecke könnte immerhin ein unangeleinter Hund stehen oder ein Tier sitzen. Ich könnte mich erschrecken, stolpern und wieder die Hunde loslassen.. oder aber der andere Besitzer.
Bedeutet: Mit Argus-Augen losgehen und immer alles im Blick haben. Nur wenn ich die potenzielle Gefahrenquelle zuerst sehe, kann ich sie problemlos umgehen und Stress für uns alle vermeiden. Das Ganze ist aber leider auch damit verbunden, bestimmte Wege zu meiden, die man nicht gut einsehen kann oder eher Zeiten und Wetter nutzen, bei denen andere sich lieber zuhause aufhalten. Unsere Straße ist fast immer tabu. Es gibt viele Hauseingänge mit hohen Büschen und an jeder Ecke unangeleinte Hunde. Nur wenn ich mal einen guten Tag habe kann ich die Hunde kurz nehmen und die Todeszone betreten. Bei schlechter Stimmung und Angst wäre alles andere fürs Training kontraproduktiv. Immerhin sollen die Mädels ja lernen, dass sie sich auf ihr Frauchen verlassen können.

#Warum ich so neurotisch bin?
Während andere Hunde immer wieder kleinere Raufereien haben und niemand etwas dagegen sagt, gehören Lana und Maila zu den kritischen Rassen. Wird auch nur ein Vorfall gemeldet, steht mein ganzes Leben mit ihnen auf der Kippe. Hunde, die auf der Rasseliste stehen werden schnell beschlagnahmt wenn etwas vorfällt und sind somit für immer weg vom Fenster. Beide Hunde würden also vermutlich für immer im Tierheim ihr Dasein fristen, denn niemand wird einen Listenhund adoptieren, der andere Hunde zum Frühstück möchte und dazu auch noch krank ist. Natürlich möchte ich ebenfalls nicht, dass anderen etwas passiert.
Während also regelmäßig der fremde Fiffi auf mich zugerannt kommt und sich Herrchen und Frauchen nichts böses dabei denken, hoffe ich dass Maulkorb und Leine der beiden standhalten und dass Fiffi zwar bellt und uns vielleicht 20mal umkreist, aber dennoch friedlich ist. Hoffentlich sind Herrchen und Frauchen schnell und pflücken ihren Hund ab, bevor er im Kuschelpelz meiner Aggrohunde hängt. Würde er es nämlich ernst meinen, könnten sich meine Hunde trotz ihres Geknurres und Getöses nicht wehren und sind somit ihrer Umwelt komplett schutzlos ausgeliefert.

Zu dieser ganzen Angstproblematik nach einem Beißvorfall, an dem der eigene Hund beteiligt ist, kommt der Vertrauensverlust. Nicht nur dem Tier gegenüber, sondern auch sich selbst. Man beginnt alles in Frage zu stellen. Das ganze Training, den Umgang mit den Vierbeiner und man kann dabei in ein tiefes Loch fallen. Die Erkenntnis, dass das „Schmusetier“ auf der eigenen Couch zu einem Mord fähig wäre, ist doch irgendwie unangenehm. Komisch, denn Hunde sind ursprünglich mal Raubtiere gewesen. Leider vergessen und unterschätzen das auch viele andere. Auch Aggression gehört in Maßen zu einer Kommunikation dazu.
Der Verlust dessen, was man hatte ist besonders nach einiger Zeit zu spüren. Wo für andere das Gassigehen mit dem Hund ein guter Entspannungsausgleich zum stressigen Alltag ist, war es vor allem kurz nach dem Vorfall eine weitere Stresssituation, auf die ich gern verzichtet hätte.
Heute, ein Jahr danach habe ich noch nicht 100% des Vertrauens wiedererlangt, was ich vorher in Lana und Maila hatte. Ich selbst fühle mich jedoch wieder einigermaßen sicher. Manchmal ertappe ich mich dabei unsere Runden auszuweiten, weil es mir wieder Spaß macht mit den beiden draußen zu sein. Die Erkenntnis, dass ICH die Verantwortung trage und das mit solchen Kalibern im letzten Jahr dennoch geschafft habe, kann auch etwas positives sein.

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Die Frage, ob meine Hunde durch dieses Verhalten eingeschränkt sind, stellt sich mir des Öfteren. Ich bin froh darüber, dass sie ihre ausgewählten Sozialkontakte pflegen können und mit Mauli auch mal frei laufen können, wenn wir mitten im Nirgendwo sind und ich weit gucken kann. Unser Leben würde sicher etwas ausgedehntere Runden beinhalten und mit Sicherheit auch viel mehr Hundefreunde, aber mittlerweile habe ich mich abgefunden. Damit, dass wir trotz Training vermutlich niemals an dem Punkt sein werden, wo Holger mit seinem überfreundlichen Labrador im Hundeauslaufgebiet ist. Unser Ziel ist es nach wie vor, ruhig an anderen Vierbeinern vorbeizukommen und wir werden langsam ein klein wenig besser darin. Unsere letzte Trainerin hat dazu mit einem entscheidenden Tipp beigetragen.

Manch einem stellt sich die Frage, wieso man so etwas nicht einfach beendet und für einen oder beide Hunde eine andere Lösung sucht, wenn die Situation doch so belastend ist. Einem aggressiven Hund sei nicht zu vertrauen.
Ich kann Menschen verstehen, die in so einer Situation offen und ehrlich zugeben, dass sie ihrem Tier nicht gewachsen sind und es abgeben wollen. Ein Hund-Mensch-Gespann, das partout nicht zusammenpasst, sollte nicht zwanghaft beieinander gehalten werden. Die Entscheidung einer Abgabe ist also nicht immer schrecklich. Auch ich habe darüber nachgedacht diesen Schritt zu gehen, ihn aber sehr schnell wieder verworfen.
Ich liebe meine Hunde über alles. Und mal davon abgesehen, dass sie aufgrund ihrer Rasse, Gesundheitszustand und Verhalten niemals eine Chance hätten einen neuen Besitzer zu finden, würde ich sie trotz allen Macken niemals abgeben. Ich habe sie zu mir geholt und stehe damit in der Verantwortung. Wären sie weg, würde es mir schlechter gehen als in so manchen Zeiten mit ihnen. Wie oft habe ich aus verschiedensten Gründen in ihr weiches Fell geweint.. jetzt ist es eben an der Zeit, ihnen zu helfen und sie zu schützen.

4Hinzu kommt, dass wir auch sehr viele gute Momente gemeinsam haben. Mit Problemhund hat man draußen vielleicht nicht die gleichen Freiheiten wie der Durchschnittshundehalter.. trotzdem gibt es kleine Erfolgsmomente. Wir können kuscheln, manchmal Ballspielen und auch mal gemeinsam ein Eis teilen. Lana und Maila passen perfekt in unsere kleine Hundhoch3-Familie und können sich wie andere Hunde auch mal im frisch gemähten Gras wälzen. Es ist schön, diese Momente genießen zu können. Nicht jeder Aggrohund ist 24/7 ein nicht zu bändigendes Monster. Dahinter steht nicht selten eine liebende Familie und ein ansonsten problemloser Alltag. Unsere Mädels sind nach wie vor wunderbar mit ihren Hundefreunden zu beobachten sowie unfassbar süß und bedingungslos liebend in Verbindung mit Kindern.

Man kann vielleicht nicht alle Probleme von heute auf morgen lösen, aber man kann es zumindest langfristig versuchen und die kurze Zeit, die so ein Hundeleben dauert trotz allem genießen. Jede Hundepersönlichkeit ist anders und es gibt immer Vor- und Nachteile. Es gibt nicht den universell perfekten Hund – nur das perfekte Gespann. Wichtig ist für uns nur, dass man Probleme ernst nimmt, zusammenpasst und niemals aufgibt.

Habt ihr einen Problemhund? Schreibt uns doch von euren Erfahrungen im Umgang mit so einem speziellen Hund 🙂
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53 Gedanken zu „Leben mit Problemhund

  1. Ich finde es sehr schön geschrieben und ich habe mich ganz oft wiedergefunden. Habe seit vielen Jahren Dobermanner. Also ein Listenhund und bin demzufolge angreifbar wenn mich jemand nicht leiden kann, schon vorgekommen. Meine letzten beiden secondhand hunde sind grundverschieden. Die eine hundeverträglich aber bei Menschen gefährlich (4x geschnappt, Anzeige wg. Körperverletzung und reh getötet) die andere menschenverträglich aber hat hunde und andere Tiere zum fressen gern. Wir haben uns arangier t und es funktioniert. Mußte halt meine Gewohnheiten anpassen und mit Hilfe von Training viel verbessert.

    1. Danke 🙂 Natürlich muss man sich auch einschränken, das ist dann eben bei schwierigen Charakteren so und geht leider garnicht anders. Meine beiden Mädels sind auch sehr verschieden, obwohl man das so nicht vermutet. Leider sind sie sich immer dann einig, wenn es ums pöbeln und jagen geht. Zum Glück sind sie bei Menschen total verträglich, das ist bestimmt auch sehr schwierig mit so etwas umzugehen. Ich finde es toll, dass es doch so viele Menschen gibt, die dann im Alltag eben manchmal für ihr Tier zurückstecken, statt den Weg einer Abgabe zu gehen.
      LG Lisa von Hundhoch3

  2. Toll geschrieben! Ich bewundere deine Offenheit und dein Durchhaltevermögen.
    Ich hatte bisher noch nicht annähernd solche Probleme und kenne trotzdem Momente der Überforderung und Scham zu genüge.
    Ich wünsche euch, dass ihr euch weiterhin immer mehr Freiheit erobert und euch gegenseitig Halt gebt.
    Herzliche Grüße
    Stephie mit Enki und Luna

    1. Hallo!
      Danke für Deine lieben Worte. Es ist schön, verstanden zu werden und sich nicht nur negatives zu diesem Thema anhören zu müssen, wie es sonst auf der Straße so oft vorkommt..
      LG Lisa von Hundhoch3

  3. Unser Problem sind mehr viele andere Hundhalter: die die den Hund, obwohl ich extra an die Seite gehe und meine 2 absitzen lasse, schön an der Leine mal dicht gucken lassen…..
    Oder die unangeleinten
    Oder die, die wie die irren am Fahhrad von hinten angeschossen kommen
    Oder, oder, oder
    Immer wenn mir keine Chance zum agieren gegeben wird, und ich blitzschnell reagieren muss, ist Stress angesagt
    Unsere Hunde sind halt besonders, anders. Ich habe mir abgewöhnt zu sagen ich hätte einen Problemhund. Vielleicht ist er für andere ein Problem, für uns nicht. Wir haben Mega tolle Hunde mit besonderem Charakter

    1. Huhu 🙂 Ja, das kenne ich natürlich auch. Früher war ich tatsächlich auch so ein Mensch (Schande auf mein Haupt!). Bis ich verstanden habe, wie es ist wenn der Hund nicht ganz unproblematisch ist und man so extrem aufpassen muss. Ich glaube, dieses Bewusstsein und vor allem diese Rücksicht fehlt leider vielen mit „Normalem“ Hund :/
      LG Lisa von Hundhoch3

  4. Vielen Dank für den Bericht. Es ist, als ob du die Erfahrungen und Gefühle von mir 1:1 wiedergibst. Ich habe einen Leonberger-Schäferhund-Mix aus 2. Hand mit einer ausgeprägten Leinenaggression und Jagdtrieb. Bei 40 Kilo sind Verletzungen von mir nicht ausgeblieben wir aufgeschüfte Hände, aufgeschlagenes Knie etc. Das hat mich auch traumatisiert und ich gehe sehr unsicher. Im Freilauf ist mein Hund eher zurückhaltend und ein Schisser. Aber viele Hundehalter haben Angst vor meinem. Wohl aufgrund der Größe. Und man weiß auch nie, ob nicht irgendwo eine Katze sitzt. Unser Gassigang gleicht einem Spießrundenlauf. Und meistens fahre ich mit ihm ins Gewerbegebiet. Wir arbeiten schon 2,5 Jahre dran und manchmal weiß ich einfach nicht, ob ich es je hinbekommen werde. Aber ich liebe ihn

    1. Hallo!
      Ja hingefallen bin ich auch schon so oft – und wenn der Auslöser nur ein Igel war, der im Gebüsch rumgeklettert ist. Sowas ist natürlich nicht gut für dich und auch nicht fürs Training. Irgendwann habe ich gesagt, dass ich mir sicherheitshalber für Maila ein Halti besorge. Falls sie losläuft, hat sie dann nicht so viel Kraft. Vielleicht wäre das ja auch was für euch? Für mich war das damals erstmal die Notbremse und hat mir viel Sicherheit gegeben.
      LG Lisa von Hundhoch3

  5. So toll geschrieben.. ich habe mich an vielen Stellen wieder gefunden, obwohl ich ganz „normale“ Familienhunde (Secondhand) habe, aber eben auch mit Problemen….
    Immer volle Konzentration auf Hunde und Umgebung…fast immer mit dem Auto rausfahren zum laufen….zu Zeiten, wo kaum jemand unterwegs ist…fast immer allein…
    Aber wir gehören zusammen!

    1. Vielen Dank! Das machen wir ja auch, einfach der Entspannung wegen. Würde es bei uns nicht direkt in der Nachbarschaft eine große Wiese geben auf der kaum jemand unterwegs ist, müssten wir auch lange fahren oder den Freilauf stark einschränken. Ich finde es toll, dass auch du nicht aufgibst und wünsche euch ebenfalls alles Gute auf diesem langen Weg.
      LG Lisa von Hundhoch3

  6. Oh man, ich kann das echt sehr gut nachvollziehen – das schlechte Gefühl in manchen Gegenden, die Argus-Augen, die Todeszone (in unserem Fall vom Parkplatz zum Büro), das Bitten, dass die eigene Leine und die des anderen Halters hält. Danke, dass du so ehrlich darüber berichtest. So habe ich ein wenig das Gefühl mit meinen assozialen Hunden nicht ganz alleine zu sein unter den ganzen Tutnixen und top erzogenen Hunden.

    1. Huhu 🙂
      Schön, dass wir damit jemanden aufmuntern konnten. Ihr seid definitiv nicht allein mit diesem Problem!
      LG Lisa von Hundhoch3

    2. Hallo aus Wuppertal das gleiche erlebe ich mit einer geerbten Bernersennen Hündin 10 Jahre alt sie steigt hoch bei allen anderen Hunden das Gassi gehen ist mehr als Spieß Ruten laufen geworden und auch die Ignoranz andere Hundehalter die so glaube ich extra auf einen zulaufen und nicht bereit sind die Straßenseite zu weckseln hatte auch ein gelbes Tuch intressiert nicht na ja man soll die Hoffnung nicht aufgeben der Blog spricht mir so aus dem Herzen

  7. Ein sehr treffender Text der vieles offen anspricht, was generell im Argen liegt 😔
    Bei Listenhunden vergisst man in Diskussionen plötzlich völlig die jahrzehntelange züchterische Selektion, ich kann dir das nachempfinden, auch das mit dem Jagdtrieb.
    Auch da bin ich völlig bei dir. Von vielen heutigen Trainern wird suggeriert: das klappt mit JEDEM Hund, „wenn er jagen geht, dann stimmt da was nicht“. So ein Humbug und mir tut jeder Leid, der da an falsche Gurus gerät. Jeder Hund und jeder Besitzer ist individuell und NEIN es klappt leider nicht mit Jedem Hund.
    Schön zu lesen, dass Du den „Kampf“ den du sicherlich an manchen Tagen innerlich austrägst, gewonnen hast, ich wünsche dir weiterhin soviel Kraft und Mut und hoffe auf weitere solche Texte.
    Wirklich ein toller, offener Beitrag.
    LG Danni

    1. Hallo!
      Dass es bei Listenhunden nur das „Kuscheltier“ gibt oder eben den unfähigen Halter lese ich auch immer wieder. Schade, dass da niemand mal genauer schaut, da hast du Recht. Irgendwie gibt es in der Hundehaltung für viele nur schwarz und weiß, egal in welchem Thema. Danke für die lieben Worte.
      LG Lisa von Hundhoch3

  8. Hallo Lisa!

    Ich kann dich gut verstehen. Nach zwei wirklichen Kuschelhunden. Totale will-to-please-Hunde, die so ziemlich Everybodys Darling waren, hab ich nun mit Shiva ein Geschoss mit schlechter Kinderstube. Anders kann man es nicht sagen. Sie ist lieb und nett und wirklich ein Kuschelhund. Sie ist gehorsam und total verspielt. Aber… dann gibt es diesen kleinen Schalter, wenn der umgelegt wird, dann kann dieser liebe süße Hund zum totalen Monster mutieren und sie attackiert ohne Rücksicht auf Verluste. Was genau der Auslöser war, kann ich nicht sagen. Sie war als Welpe schon tendenziell eher ein Angstbeißer, aber das haben wir an sich in den Griff bekommen. Als Junghund war sie toll. Hat mit jedem und allem gespielt. Auch ihre ersten beiden Lebensjahre hindurch war sie so.
    Dann hat sich ihr Verhalten rapide geändert. Zur Familie und Bekannten war sie weiterhin der tolle Kuschelhund. Fremde Menschen und Hunde wurden erstmal angeknurrt und misstrauisch beäugt. Schließlich hat sie kurz nacheinander zwei Mädchen jeweils in die Hand gebissen. Beide Male hatten die Mädchen sie mehr oder weniger in die Ecke gedrängt und das Streicheln aufgezwungen. Shiva hat sich versucht klein zu machen, auszuweichen, hat geknurrt und ist dann vorgeschossen. Ein Schnapp, ein Schrei und vorbei war es. Mein Vertrauen war weg. Ich hab eine Anzeige kassiert und viel viel Training absolviert. Mittlerweile ist es über 2 Jahre her und ich kann sagen… ja, ich hab die Situation falsch eingeschätzt. Ja, sie hat sich verteidigt. Sie hat nur sehr kurz vorgewarnt. Mittlerweile warnt sie deutlich länger vor, wenn ihr was unangenehm ist. Ich hatte sie davor auch niemals für ein Knurren bestraft. Jetzt beende ich beim ersten Knurren oder auch nur leicht Zähnchen zeigen die Situation. Kinder lass ich überhaupt nicht mehr in ihre Nähe. Mit Hunden klappt es zu 50 % gut, die anderen 50% sind die „der-tut-nixe“, die halt ihren Anschiss kassieren und dann mit eingeklemmtem Schwanz abhauen. Shiva mag es nicht, wenn sie überrannt wird. Rempler beim Spielen werden auch sofort streng geahndet. Also sie zeigt dem anderen, was sie davon hält. Sie hat ihre Hundefreunde, mit denen spielt sie. Anderen geh ich aus dem Weg oder warne vor, dass sie unverträglich ist. Manche weichen dann auch aus, andere schlagen vor, dass wir uns eine Weile auf dem Weg festwurzeln und die Hunde die Situation ruhig in schönem Lernabstand aussitzen lassen. Klappt immer besser.
    Ich bin zuversichtlich, dass wir es schaffen und sie lernt, dass die Welt nicht so bedrohlich ist, wie sie sie anscheinend empfindet.

    Flauschige Grüße
    Sandra & Shiva Wuschelmädchen

    1. Hallo Sandra!
      Die Sache mit dem Schalter, der umgelegt wird kenne ich auch. Bei Lana sind es bestimmte Hunde, die sie dann rigoros angehen würde. Mittlerweile weiß ich, welche sie nicht mag und welche okay sind. Dementsprechend können wir dann vorgehen.. Lana war übrigens auch ein Hund, der bis zu 6-8 Monaten mit jedem vollkommen verträglich war und keinen Jagdinstinkt hatte. Als Welpe saß sie sogar bei meinen Meerschweinchen im Käfig und hat sie geputzt.. mit der Pubertät wurde das dann leider anders. Ich wünsche euch jedenfalls alles Gute und viele Erfolge bei eurem Training.
      LG Lisa von Hundhoch3

    2. stimmt, ich habe einen Aussie, der ist zwar lieb, kann aber auch gerne pöbeln. Da er so flauschig ist, fragen Kinder, zumindest fragen sie, ob sie ihn streicheln dürfen. Da er mal geknurrt hat, sage ich, dass das nicht so gut sei, weil er schon mal geknurrt hat und Hunde halt unberechenbar sein können.

  9. Ein sehr ehrlicher Bericht über das Leben mit Problemhund, oder in diesem Fall sogar mit zwei Problemhunden. Manch einer kommt mit zwei freundlichen Hunden schon ins Schleudern, also Hochachtung vor jemandem, der gleich zwei Powerpakete hat.

    Ich kenne diese Unsicherheit beim Spaziergang mit meinen Hunden auch, allerdings sind nun schon einige Jahre ins Land gegangen und das Alter hilft dem Hund auch mal das Hundehirn zu benutzen und nicht immer gleich loszubollern. Trotzdem hört das Training nie auf, aber ich habe die tollsten Hunde der Welt.

    Viel Glück Euch Dreien!

    1. Huhu, vielen Dank 🙂
      Das mit dem Alter stimmt tatsächlich. Dieser Sommer ist der erste, in dem Lana beginnt zu überlegen ob sie sich nun die Arbeit macht auszurasten wenn sie etwas sieht, oder ob sie einfach weiterdackelt. Vielleicht wird ja zusätzlich zum Training die Zeit auch etwas an ihrem Verhalten richten.
      LG Lisa von Hundhoch3

  10. Wir haben auch einen Second Hand Hund mit Jagdtrieb,damit komm ich aber klar. Er lässt andere Hunde in Ruhe solange sie ihn in Ruhe lassen und ist auch kein Leinenrowdy. Sein Problem ist das er aus dem nichts heraus Leute beißt. In einem Moment liegt er z.B. in einem Café ruhig unterm Tisch im nächsten Moment kommt irgendwer daher,er springt auf und beißt,ja er beißt richtig zu, in das nächstbeste Körperteil.
    Das macht er aber erst seit ca. einem halben Jahr und wir wissen absolut nicht warum. Tierärztlich würde er durchgecheckt.
    Vorher haben wir ihn überall mit hingenommen,jetzt geht das nur noch begrenzt und nur noch mit Maulkorb. Mittlerweile habe ich auch schon Angst das er vielleicht auf einmal Freunde oder Familie beißen könnte.
    Das macht uns echt traurig weil er sonst ein richtiger Schatz ist.

    1. Hallo Michaela kann es sein das er Euch beschützen will und daher niemanden an Euch läßt???Hast du mal darauf geachtet wann er das macht.Was für Leute sind das wo er versucht sie zu beißen.Männer,ältere Frauen usw.Bei unserer Hündin wissen wir sie mag keine Kinder und sie geht ihnen aus dem Weg und ich achte darauf das sie nicht angefaßt wird.Sie vertraut mir da und kommt dann zu mir.Sonst versuche doch mal mit Hilfe eines wirklich kompetenten Hundetrainers der sache auf den Grund zu gehen.Ich wünsch dir viel Glück und vielleicht hilft es ja:)))

      1. Hallo!
        Habt ihr da mal von einem Trainer draufschauen lassen? Vielleicht kann er besser so eine Situation provozieren und dann schauen, aus welchem verhalten heraus euer Hund das versucht? Wenn er tierärztlich abgecheckt ist, muss es ja eine andere Ursache haben..
        LG Lisa von Hundhoch3

    2. Schon mal Schilddrüse checken lassen? Hatte das bei meinem rüden, aus dem schlaf, aus dem nichts, aufgesprungen und alles was im visier war getackert…das war echt schlimm, immer musste ich auf halb acht stellung sein, er hatte hormonelle probleme, nebennierenproblematik….

      1. Hallo!
        Ja, ich habe Lana vor etwa 2 Jahren testen lassen als die Problematik angefangen hat, auch aus anderen Gründen. Sie hat normale Schilddrüsenwerte. Ich habe aber auch schon oft gehört, dass so etwas zu Aggression führen kann. Danke trotzdem für den Tipp 🙂
        LG Lisa von Hundhoch3

  11. Hallo auch ich habe zwei solche Hunde u einen Rüden den ich klein vom Tierheim bekam jedoch einen sehr starken Charakter hatte u auch einen jagdtrieb entwickelte! Ich habe viel trainiert u tu es noch immer u leider gingen auch bei uns zwei ungeleinte Labradors auf meine Hunde los! Die Probleme waren vorprogrammiert! Auch ich hatte manchmal den Gedanken der rüde wird mir zu stark doch an aufgeben dachte ich nicht! Man stellt sich auf die Hunde u die Umgebung ein u geht dort Spazieren wo auch meine zwei Hunde ihren Spaß haben! Sie geben mir so viel liebe u halt das für mich ein Leben ohne sie nicht mehr denkbar wäre auch wenn wir manchmal eingeschränkt sind! Toller Artikel u du hast mein vollstes Verständnis!

    1. Hallo Gina!
      Zum Glück hatten wir es noch nie, dass ein anderer Hund wirklich auf uns losgegangen ist. Zu uns kommen immer nur die Tut-Nixe, die dann aber trotzdem unseren Trainingsfortschritt wieder versauen :/
      Ich habe weiter oben schon jemand anderem geraten, sich mal ein Halti genauer anzuschauen. Vielleicht wäre das auch was für Dich? Mir hat es in den Akutphasen sehr geholfen, ruhig zu bleiben.
      LG Lisa von Hundhoch3

  12. Hallo Lisa,

    ich weiß auch, wie es ist, mit einem ‚besonderen‘ Hund zusammenzuleben. Leider ist unsere Senta (ich bitte um Verständnis, dass ich den Namen aus Sicherheitsgründen etwas abgewandelt habe) nicht mehr bei uns. Sie hatte ihre ersten 16 Lebensmonate als ‚Wanderpokal‘ erlebt und in der Zeit wohl diverse aversive ‚Erziehungs-‚ Methoden über sich ergehen lassen müssen. Sie durfte dann 9 Jahre zu unserer Familie gehören. Ich habe selten den Begriff ‚Problemhund‘ verwendet; mir ist mal die schöne Bezeichnung ‚verhaltensorigineller Hund‘ untergekommen, die ich viel passender fand. Ja, wir mussten unser Leben umstellen – ich habe es nie wirklich als Einschränkung betrachtet – wir mussten managen, bei Spaziergängen den 360-Grad-Radar anschalten, Situationen vorausahnen‘ oder gar komplett meiden, mit Unverständnis und gar Anfeindungen sowie Rückschlägen umgehen lernen. Trainiert haben wir quasi bis zu ihrem Lebensende, sie wurde nie ein einfacher Hund, aber wir haben sie geliebt. Sie hat uns so viel gelehrt über das Zusammenleben mit einem ‚Nicht-Tutnix‘, und jetzt fehlt sie.

    Liebe Grüße Kerstin

    1. Hallo Kerstin.
      Es tut mir sehr Leid, dass ihr „Senta“ verloren habt 🙁
      Ich denke auch, dass meine beiden Mädels nie normal werden. Trotzdem stimmt es, dass man mit so einem Kaliber an Hund weitaus mehr lernt und es dann vielleicht beim nächsten Vierbeiner anders angeht..
      Eigentlich gibt es für uns kaum richtige „Problemhunde“. Jeder ist eben anders und nur weil der Mensch mit diesem Verhalten ein Problem hat, kann es ja aus hundlicher Sicht trotzdem normal sein. Wir haben hier den Begriff verwendet, weil dann ja doch recht schnell klar wird, um was es hierbei geht.
      LG Lisa von Hundhoch3

  13. Hallo wir haben zwei Hunde.Die Hündin kam mit einem Jahr zu uns. Sie hatte sich irgendwann mal gewehrt nachdem die Kinder immer wieder an ihr rumzerrten und niemand was sagte..Sie mag keine Kinder,aber muß sie das???Ich mag auch nicht jeden!Mittlerweile geht sie mit mir zur Arbeit und besucht ältere Leute.Sie liebt diese Menschen,die so entspannt und freundlich zu ihr sind.Dann kam der Wunsch und die Zeit für Nummer zwei.Er kam aus dem TH und war bereits fast fünf Jahre.Die letzten zwei Jahre lebte er im Garten,keine Kontakte und wohl sehr wenig Spaziergänge oder ähnliches.Vier Wochen sind wir jeden Tag mit ihm gelaufen.Und dann viel die Entscheidung ihn zu uns zu nehmen.Die beiden lernten sich kennen und die Hündin machte ihm klar wer das sagen hat.Das nahm und nimmt er ohne jegliche „Gegenwehr“ hin.Nur wenn er kleine und vor allem weiße Hunde sieht dann gehts los.Will er sie fressen oder spielen???Nun haben wir ihm einen Maulkorb gekauft,er trägt ihn bei Spaziergängen und läuft dann auch ohne Leine.Ja er ist eingeschränkt dadurch aber bekommt auch Freiheit zurück.Wir gehen mit beiden zu Spaßhunderennen und es zeigt sich das eine langsame Veränderung deutlich wird.Er fängt an die anderen zu ignorieren und seine Beziehung zu uns wird intensiver und er liebt es Abends bei uns zu liegen.Alles andre wird kommen,das wissen wir und er hat und bekommt alle Zeit die er braucht.Denn sie haben doch keine Schuld das „ihre“ alten Menschen nicht wußten was sie brauchen um glücklich zu sein.Und was würde aus solchen Problemhunden werden wenn es nicht solche Menschen gibt wie die die diesen Hunden einen Chance geben auf ein Leben in einer Familie und vielleicht mit anderen Hunden???Ich freu mich hier zu lesen das es immer Gott sei Dank noch mehr gibt die diese Hunde so lieben mit ihren Ecken.Macken und Kanten:)))))

    1. Hallo Petra!
      Das gleiche Problem hatte ich mit Lana und ganz besonders großen, schwarzen Flauschehunden. Wenn es euch möglich ist, sucht doch nach jemandem der genau so einen Hund hat und euch dabei hilft. Ich habe vor etwa 2 Jahren mit Lana angefangen an dem Problem zu üben und wir gehen nun alle paar Wochen immer mal wieder mit mehreren Rottweilern raus. Dazu hat sich dann auch eine Freundschaft mit den Besitzern entwickelt.. schöner kann es doch garnicht sein 🙂 Mittlerweile freut sie sich sogar wenn sie sie sieht und hat sogar manchmal ganz kurze Spielanfälle 😮
      LG Lisa von Hundhoch3

  14. WOW, sehr treffend geschrieben!! Leider habe auch ich das selbe Problem von wegen dead Zone und , erst heute Morgen wieder diese ach so typische Reaktion, der Herdis…Ich auf kleiner Anhöhe ( wiese an der Straße mit Hund ,und hinter mir kommt ein Radler angeprescht…mein Hund hat blitzartig reagiert, da ich es nicht gesehen habe, der Fahrradfahrer musste so stark bremsen das er fast geflogen währe vor Schreck .-( Ich finde das es leider bei vielen Problemhundbesitzern ein Tabuthema ist, oder immer wieder schöngeredet wird von wegen Du musst dieses jenes welches mit dem Hund tun…. hatte bis dato immer treudoofe Bernis ..( Traumhunde vom Charakter,) leider sehr Krebsbehaftet, da wollt ich mal was anderes großes, das habe ich jetzt, genau das !!!! Gehe auch am liebsten alleine spazieren und wünsche mich oft ein anderen Ort wo keine Störfaktoren sind, oder treffe mich mit Spielgefährten, wobei ich eigentlich nie richtig entspannen kann, habe immer Angst das etwas schlimmes passieren kann von wegen Fremde Hunde die kommen /Kinder Spaziergänger etc. Bin auch schon mehrmals geflogen , was echt übel war, an Urlaub darf ich gar nicht denken, wie macht Ihr das im / mit Urlaub ??? Trotzdem liebe ich mein kuschelmonster und hoffe das Sie noch etwas ruhiger wird wenn Sie älter ist…..;-)

    1. Huhu!
      Ja, das mit den Störfaktoren kennen wir auch. Wir machen ja immer Witze darüber, wo wir hinziehen wollen wenn wir im Lotto gewinnen.. am Liebsten nach Norwegen oder Finnland, mitten im Wald mit einem großen Gelände, damit wir keine Menschen mehr sehen müssen 😀
      Gemeinsam im Urlaub waren wir noch nicht, außer wenn alle Hunde mitgekommen sind. Wenn bei uns einer wegfährt, bleiben die Hunde grundsätzlich beim anderen. Benji könnte zwar auch in eine Pension, aber damit haben wir garkeine guten Erfahrungen gemacht. Dementsprechend ist das keine Einschränkung.
      LG Lisa von Hundhoch3

  15. Wirklich gut geschrieben!

    Auch bei den Gefühlen, die einem bei jedem Spaziergang durch den Kopf gehen, wenn der Hund eben kein liebes Hündchen ist, erkenne ich meine Situation wieder.

    Wir haben ein Hund von einem Tierschutzverein. Über die Vorgeschichte war zunächst nix bekannt. Unsere Hündin kam an und war aufgeschlossen uns gegenüber. Doch bei den Gassigängen kristallisierte sich immer mehr heraus, dass sie ein heftiges Problem mit anderen Hunden hat. Sie wird dann auch sehr aggressiv, hängt in der Leine und will beißen. Und dabei ist es ihr egal wen sie beißt. Sie sieht dann total schwarz. Auch bei LKWs, Traktoren und Fahrrädern bellt sie lauthals. Zu anderen Menschen, die sie nicht kennt ist sie sehr misstrauisch und wenn der Mensch ihr nicht geheuer ist versucht sie zu schnappen.

    Darauf haben wir versucht mit dem Tierschutzverein etwas über ihre Vergangenheit heraus zu bekommen. Und tatsächlich könnten wir erfahren, dass sie geschlafen wurde und teilweise auch eingesperrt gehalten wurde. Sie wurde nie sozialisiert mit anderen Hunden oder hat die Welt kennen gelernt.

    Natürlich schauen einen viele Menschen oder Hundebesitzer schockierend an. Brüllen einem hinterher man soll ja zu Hundeschule gehen (was wir schon in der ersten Woche ihrer Ankunft getan haben). Die anderen Menschen schauen einen schockierend an, weil sie mit Maulkorb Gassi geht. Und dann wird einem gesagt, dass man ein Tierquäler ist, da man ihr ein Maulkorb anzieht oder es wird im vorbei gehen gerufen „der Arme Hund“.
    Doch wenn wirklich mal was passiert und sie jemand fremdes beißt, dann ist die Hölle los.

    Diese Verurteilungen gehen einem besonders ams Herzen. Denn kein Hundebesitzer will einem Hund ein Maulkorb anziehen, wenn es nicht wirklich nötig ist. Und kein Hundebsitzer will zusätzlich hören, wenn der Hund aggressiv ist durch eine für ihn schlimme Person, dass man doch lieber mal zum Trainer sollte. Oft fühlt man sich dadurch schlecht, als ob man versagt hat und mit Hunden nicht umgehen könnte.

    Doch Versagen heißt etwas anderes. Wenn man Versagen würde, dann würde es einen nicht kümmern, dass der Hund beißt. Dann würde man nicht versuchen die Situation abgenehmer zu machen für den Hund und Gassi zu gehen wenn so wenig Menschen wir möglichst draußen sind oder sich zu freuen wenn es regnet, da dann kaum Menschen draußen zu treffen sind.

    Dabei haben viele ein Problem damit zuzugeben, dass ihr Hund schwierig ist. Auch bei mir hat es lang gedauert bis ich beschlossen hatte, ihr ein Maulkorb beim spazieren abzuziehen. Aber so fühle ich mich sicherer und bis mein Hund Situationen gelassener begegnen kann, ist es der Maulkorb nötig und natürlich auch Schutz gegenüber anderen.

    1. Hallo!
      Leider hören wir solche Dinge immer wieder von Hunden aus dem Ausland.. schade, dass die Orga da nicht hilft oder zumindest die Problematik im Vorfeld angegeben hat.
      Interessant ist ja, dass wir so gut wie nie gesagt bekommen, dass ein Mauli ja Tierquälerei ist 😀 bei „Kampfhunden“ scheint das wohl eher akzeptiert zu werden. In der Sache des Versagens kann ich nur zustimmen. Ich finde auch, es zeugt viel mehr von versagen, wenn man einen aggressiven Hund hat und nicht deutet, was da passiert und sein Tier sichert. Ein Maulkorb zeugt für uns immer von Verantwortungsbewusstsein und nichts anderem. Mach Dir also nichts aus solchen Sprüchen 🙂 Wir wünschen euch ganz viel Erfolg im Training und dass ihr irgendwann etwas gelassener draußen sein könnt.
      LG Lisa von Hundhoch3

  16. Oh wie gut kann ich das nachvollziehen. Wir hatten auch eine solche Hündin. Unsere Donna, ein Schäferhund-Colli Mix. Vor 6 Jahren ist sie über die Regenbogenbrücke gegangen. Donna wurde 12 Jahre alt. Wir haben sie damals als 6 Wochen alten Welpen aus dem Tierschutz übernommen. Sie und ihre Wurfgeschwister wurden ohne Mutter an einem Bahnhof ausgesetzt.

    Wir haben sie so sehr geliebt und nie den Gedanken gehabt sie wieder abzugeben. Als sie älter wurde, war ziemlich schnell klar, wir brauchen Hilfe. Ich weiss gar nicht wieviele Wochen/Monate ein Hundetrainer zu uns nach Hause kam. Aber er war auch irgendwann mit seinem Latein am Ende. Donna hatte durch das Aussetzen einen irreparablen Schaden in ihrer Seele. Wir haben uns für ein Leben mit ihr entschieden mit allen Konsquenzen. Nur mit Maulkorb raus, immer an der Leine, weit weg von anderen Hunden und Menschen, auch Kindern.

    Zu Hause war sie ein Traumhund. Gehorsam und liebevoll. Unsere Kinder konnten alles mit ihr anstellen. Sobald es draussen dunkel wurde hat Donna nie einen von uns alleine in den Garten oder Keller gehen lassen. Ich werde dieses Bild nie vergessen. Sie hat sich immer vorgedrängelt, die Nase in die Luft gehalten, die Ohren gespitzt. Wenn ihrer Meinung nach alles ok war, hat sie einen angeschaut als wolle sie sagen, „Alles ok, Du kannst gehen!“ Mein Mann hat auch viel nachts gearbeitet, aber ich hatte nie Angst. Im Sommer standen auch spät am abend alle Türen auf. Ich wußte, wer sich hier hinein schleicht, hat es im wahrsten Sinne des Wortes hinter sich.

    Donna hatte ein gutes Leben und wurde sehr geliebt. Obwohl sie andere Hunde gehasst hat, war es kein Problem noch 2 weitere Hunde aufzunehmen. Da war sie die geduldige Rudelchefin. Trotz aller Einschränkungen war sie für uns ein toller Hund.

    Wir haben wieder eine Schäferhündin. Eine weiße elegante Schönheit. Schmusig, liebevoll und gehorsam. Aber an der Leine ein absolutes A****loch *Lach*
    Läuft sie frei, gibts keine Probleme. Von Hunden, die nicht mag, hält sie sich fern. Von fremden Menschen lässt sie sich nicht anfassen und verbellt sie. Also, alles im grünen Bereich ! Gassi gehen ohne Stress.

    LG Iris

    1. Hallo Iris!
      Das ist eine schöne Geschichte.. schade, dass Donna nicht mehr bei euch ist, das tut mir sehr Leid 🙁
      Unsere Hunde sind eben verschieden und jeder einzelne hat auch seine Vorzüge. Unsere Lana ist ansonsten total ruhig und vorsichtig, während Maila am liebsten ein Schoßhund sein würde.. überall wo Platz ist, drängelt sie sich hin und möchte am Liebsten immer bekuschelt werden. Für uns sind die beiden auch unersetzlich und wir lieben sie so wie sie sind. Bei den beiden weiß ich auch sicher, dass mir nie etwas passieren würde. Vor ein paar Monaten hatten wir eine Begegnung mit einem sehr aggressiven Mann. Die beiden haben sofort gespürt, dass etwas nicht stimmt.
      LG Lisa von Hundhoch3

  17. Sehr toll geschrieben! Ich habe mich noch nie so angesprochen gefühlt! Meine erste Hündin namens Chiga war ein Dalmatiner absolut verträglich mit allem und jedem und total umgänglich. Auch sie hatte ihre kleinen Macken, die mich manchmal in den Wahnsinn getrieben haben. Doch als wir dann unsere zweiten Hündin namens Page, dazu geholt haben ( Vater: reinrassig Rottweiler, Mutter 3er mix stafford/ dogo argentino/ unbekannt), war meine Dalmihündin hingegen perfekt. Page war als Welpe sehr unsicher und ängstlich und dennoch neugierig. Alles war gut, bis für sie DER Schlüsselmoment kam: in unserem vorherigen Wohnhaus, kamen einige Menschen auf einmal das Treppenhaus hinaufgestürmt, als ich gerade mit beiden Hunden runter wollte ( Page war ca 7 Monate alt), es war eng und Page wusste in dieser Situation nicht wohin und ihr war alles zu eng und zu laut und stürmig, und sie knurrte das erste Mal. Die Leute schreckten zurück und sie hat für sich erkannt, Knurren= Menschen haben Angst vor mir, oder gehen weg ect. Ab da an begann für mich der Horror. Page wurde größer und muskulöser und dieses Verhalten wurde immer schlimmer. Wir sind dann auch noch umgezogen in ein wohnkomplex wo sehr viele Menschen mehr drin wohnen. Der absolute Horror für sie und für uns! Wir waren auch vom ersten Tag, als sie bei uns eingezogen ist, in einer hundeschule, leider nicht die richtige und das zu spät erkannt. Dort hatte sie keine Sozialisation gelernt (Hintergründe wären jetzt zu lang), ich hatte das dann erkannt, dass dies nicht die richtige ist und habe eine neue hundeschule gesucht, was etwas gedauert hatte ( in der Zeit hatte sich das mit dem Verhalten immer mehr verstärkt). Eh ich mich versah, ist ihr Verhalten innerhalb einiger Wochen zu einem massiven Problem geworden. Jeden Hund wollte sie anfallen, jeder Mensch war eine Bedrohung für sie. Neue hundeschule gefunden! Ich dachte, jetzt wird alles gut und in ein paar Wochen ist alles wieder gut. Falsch! Es wurde ein wenig besser im Training, dennoch nicht im Alltag! Dann vor fast einem Jahr, kam diese Situation wovor ich am meisten Angst hatte. Ich war mit beiden im Park spazieren, in dem Moment wo ich die Leine von Page etwas enger nehmen wollte, weil vor uns eine Frau mit Kinderwagen lief und ich an Pages Körpersprache gesehen habe, dass sie irgendwas an dieser Frau fraglich fand, rannte Page los und ich verlor die Leine aus der Hand. Ich bin sofort hinterher und schnappte sie mir am Geschir. Die Frau hatte zum Glück keine Bisswunde, aber die Stelle am Bein wurde rot, vielleicht hat sie gezwickt, vielleicht war es auch das Halti, womit sie dran geschürft hat, doch das war für mich egal, so ein Verhalten darf Page nicht zeigen! Also habe ich an diesem Tag noch einen Termin bei einem neuen hunderteiner gemacht für den nächsten Tag. Am nächsten Tag ist unerwartet meine Dalmihündin, mein Seelenhund gestorben, ich war am Boden zerstört und dennoch wollte ich unbedingt, dass man Page und uns hilft, also bin ich unter Tränen zu diesem neuen Training gefahren, der uns bis heute weiterhilft und dadurch hat sich das Verhalten von Page im Gegensatz von vor 2 Jahren äußerst verbessert, aber es ist nicht weg. Es kostet immer noch sehr viel Kraft, man muss immer die Augen aufhalten, immer auf die Körpersprache von Page schauen, ob sie etwas fixiert, vor etwas Angst hat etc. Frei laufen lassen ist nicht möglich, da ihr jagdtrieb und die Umweltreize für sie zu hoch sind. Ich habe ist kurz den Gedanken gehabt, sie wegzugeben, doch diese Gedanken wurden schnell wieder eliminiert. Wir haben uns für sie entschieden und sie ist so wundervoll in ihrem Wesen, liebevoll, kuschelbedürftig, verspielt, eine sehr schnelle Lernerin mit Tricks usw. Auch sie verdient es, dass ich all meine Kraft zusammen nehme, Kämpfe und tue und sie bis zum letzen Schritt begleite, wie ich es bei Chiga tat!

    1. Hallo Josy!
      Es tut mir sehr Leid, dass eure Chiga verstorben ist 🙁
      Das mit dem beobachten der Körpersprache kenne ich auch. Ich muss immer erkennen, ob beide den Hund nun „mögen“ oder ihn als Bedrohung ansehen. Erkennt man sowas nicht, wird das Training natürlich unheimlich schwer.. auch sowas muss man erst lernen. Auch habe ich festgestellt, dass meine eigene Laune eine erhebliche Rolle spielt. Bin ich ruhig und bestimmt, klappt es besser als wenn ich gerade überschwänglich glücklich bin oder es mir schlecht geht.
      Wie powerst du Page denn aus, so komplett ohne Freilauf? Ich habe manchmal bei unseren Hunden das Gefühl, dass sie einfach mal „alles rauslassen“ müssen, was sie an Energie in sich haben. Danach läuft es auch wieder besser mit dem üben.. zum Glück dürfen beide 1-2 mal die Woche frei laufen, wenn niemand in Sicht ist.
      LG Lisa von Hundhoch3

  18. Hallo!
    Danke für den sehr interessanten Artikel. Manchmal denkt man sonst, man ist allein mit dem Problemhund. Unser Hund ist auch Second Hand und bis auf einige Situationen, die ich kannte und einfach zu umgehen waren, immer lieb und nett und problemlos.
    Jetzt ist er aber alt und hört nichts mehr, er sieht schlecht und hat wohl auch typische Altersleiden (Rückenschmerzen und dergleichen), was sich insgesamt in Aggressionen äußert. Er knurrt selbst mich in der Wohnung an, er ist körperlich sehr aufdringlich. Wir hatten innerhalb einer kurzen Zeitspanne auch zwei Schnappverletzungen, wo man dem Hund nicht mal böse sein darf, weil sie aus seiner Position heraus vollkommen verständlich war. Trotzdem hat man Angst und kann es nicht fassen. Und die Angst, dass der Hund die Kinder beißt, ist viel größer und schlimmer. Ich überlege jetzt auch, ob ich den Hund trotz seines Alters und Handicaps noch abgeben sollen, weil ich nicht weiß, ob ich die Sicherheit meiner Kinder gewährleisten kann. Ich liebe den Hund aber natürlich auch.
    LG

    1. Hallo Sarah!
      Das Problem mit den Krankheiten kennen wir auch. Die Mädels sind zwar erst 4, aber Maila hat bereits fortgeschrittene HD und ich denke, dass das unser Grundproblem noch verstärkt. Ich glaube, bei Altersbeschwerden könnte man natürlich eine dauerhafte Schmerzmittelgabe (für den Rücken) in Betracht ziehen, wenn der TA zustimmt. Es gibt wohl auch viele Hundebesitzer, bei denen der Hund dann im Haus ständig Maulkorb trägt weil es nicht anders geht.. ich hoffe, dass uns zumindest das später erspart bleibt. Es muss schlimm sein zu sehen, dass der eigene Hund an sich normale Situationen nicht mehr einschätzen kann und dann so reagiert.. :/
      LG Lisa von Hundhoch3

  19. aus der sehle gesprochen. ganz toll. vielen dank für diesen beitrag. häufig ist das umfeld das grösste problem. neben inakzeptanz und unachtsamkeit sehen sie primär all das was schlecht ist, anstatt mal respekt für die fortschritte und den mut und das herz für solche hunde zu zollen.

  20. Auch ich habe mich oft wieder gefunden, hab vor 4jahren einen 4jährigen Pitbull adoptiert, der nichts kannte und konnte und am liebsten alles und jeden umgebracht hätte. Inzwischen hat er seine hundefreunde, liebt Menschen. Aber da sind wir auch erst in den letzten Monaten nach vielem trainern und vielem hoch und runter zu gekommen. Trotzdem sind fremde hunde auf der Straße noch oft ein Problem, auch wie bei euch, an meinen schlechten tagen auch bei ihm schlimmer. Wir lassen uns trotzdem nicht unterkriegen, üben jeden tag und ich hoffe, dass wir noch viele weitere jahre haben, wir lieben uns über alles, „trotzdem „! ❤️

  21. Hallo,
    auch ich habe leider solchen Kandidaten. Früher hatte ich eine Staffordhündin aus dem Tierheim sie war schon etwas älter und ein Traumhund. Nie Probleme mit ihr gehabt. Egal ob andere Hunde kamen Kinder angerannt kamen oder im Urlaub am Hundestrand.( waren sogar mit ihr ca.10x in Dänemark und nie gab es Probleme) Eine Leine brauchte sie nur wenn wir mal in die Stadt gegangen sind. Als wir sie 2012 leider gehen lassen mussten wollte mein Mann wieder einen neuen Hund. Diesmal zog ein Welpe bei uns ein. Eine Labbihündin Lilly mit 10 Wochen. Als sie 9 Monate alt war und trotz Welpenschule noch außer Rand und Band war kam unser Leo über 4 Ecken zu uns. Ein Schäferhund mit 8 Monate. Er sollte nur als Pflegehund bei uns bleiben,aber es kam halt anders und wir haben ihn behalten.Da waren wir aber schon die 4. Besitzer und er kam ursprünglich als Welpe aus Polen. Danach wurde er abgeschoben auf einen Gnadenhof ,wo aber auch andere Hunde waren. Naiv wie wir waren haben wir gedacht ob nun 1 oder 2 Hunde egal wir haben ja Hundeerfahrung.Pusteblume… hat man nicht. Also war dann Hundeschule für beide angesagt. Lilly ( Labbi) hat sofort alles geschnallt und macht heute mit meinen Mann Hundesport ( Obedience) Der Schäferhund Leo war in der Hundeschule auch der Musterschüler bis er mit ca. 2 Jahren anfing die anderen Hunde zu jagen und auf den Rücken zu schmeissen, außer bei Hunde egal wie klein sie sind und eine richtige Ansage bekommt. Die Trainerin meinte zu mir jetzt merkt er das er ein Schäferhund ist und ein ganz normales Verhalten ist. Nun gut, dachte ich,wird schon so sein,aber leider hat sich das Verhalten noch verstärkt und ich laufe auch nur noch da wo kaum Hundebewegungen statt finden. Wenn ich raus gehe bekommt er auch einen Maulkorb um zur Sicherheit. Bei Joggern, Radfahrer oder schreiende Kinder ist er so was von lieb. Ich bin mit ihn auch schon in eine Einrichtung für Demenzkranke gegangen,da war er der Liebling und total relaxt, da haben ihn auch die anderen Hunde nicht gestört. Ich bin auch inzwischen so weit, das ich mich nicht mehr verrückt mache,wenn er sich in die Leine wirft und versucht zu den anderen Hund zu kommen. Schade,denn unsere Labbihündin ist mit allem verträglich. So,das ist mein Bericht und irgendwie auch froh, das ich damit nicht alleine bin. LG Ellen mit Lilly und Leo

    1. Hallo Ellen!
      Genau das dachte ich mir auch, als Maila zu uns kam.. Lana war damals super erzogen und konnte überall frei laufen, hatte keinen Jagdtrieb und hat sich mit jedem Hund verstanden. Maila hat zu Beginn absolut nicht gehört, und war nicht so bewandert, was Hundesprache angeht. Und dann kam irgendwann der Punkt, an dem sich beide gegenseitig angesteckt haben.. nur mit Menschen sind beide total verträglich.
      Wie auch oben geschrieben, ist ruhig bleiben genau das Richtige. Oft sehe ich Hundebesitzer, die dann an den Hunden rumreißen und es damit leider nur schlimmer machen. Ich habe diesen Fehler leider auch Anfangs gemacht, einfach aus Schreck und weil es ja doch nervig ist, wenn so ein riesen Hund in die Leine springt. Mit Ruhe fahren wir mittlerweile viel besser.
      LG Lisa von Hundhoch3

  22. Auch von mir und meiner American Staffordshire Hündin ein dickes Dankeschön. Sie ist mit einem jagdtrieb ausgestattet der jeden Jagdhund in den Schatten stellt. Auch hat sie definitiv Tötungsabsichten gegenüber distanzlosen Artgenossen. Sie ist kein kläffer, der in der Leine steht, bei Hundebegegnungen, sie ist die absolute Ruhe und packt sich dann auch still ihre gegenüber. Das Verhalten macht es mir natürlich nicht leicht, anderen Hundebesitzern zu erklären, dass sie ihre Hunde nicht ran lassen sollen.

    1. Huhu!
      Unsere Lana ist auch kein Kläffer. Wenn ich allein mit ihr unterwegs bin, knurrt sie höchstens vorher. Würde der Hund rankommen, würde sie ihn kurz anschnuppern und dann drauf gehen.. für uns ist es dann immer schwierig, andere Hunde abzuwehren. Sie provoziert ja dann theoretisch auch einen Angriff mit ihrer Körpersprache.. wir kennen dieses Problem also leider auch sehr gut :/
      LG Lisa von Hundhoch3

  23. Hallo ☺ also in deinem Text finde ich mich wieder ! Haben zwar keinen listen Hund aber dafür ist er trotzdem speziell .
    Wir haben einen Malinoi Mischling jetzt 4 Jahre haben ihn mit 1 Jahr vom TS bekommen erst als pflegehund… da die vorige Besitzerin wohl psychisch krank war und nicht mit ihm zurecht kam.
    Also nahmen wir ihn auf , es wurde aber keine Stelle für ihn gefunden somit wurde uns gesagt er wäre schwer vermittelbar und es wurde im Raum geworfen ihn dann einschläfern zu lassen! Was ICH perdu nicht wollte haben zu ihm so eine Bindung aufgebaut sodass er dann bei uns blieb…
    Wir haben das selbe an der Leine sobald ein Hund zu sehen ist und er wittert es ist ein Rüde geht es los er schmeißt sich in die Leine kaum noch zu halten.
    Das eine mal hat er sich aus dem Halsband raus gewurschtelt und lief auf einen anderen rüden zu, der aber dann zuerst zugebissen hat hatte sich am Kopf unserer Fellnase festgebissen… seit dem ist es noch schlimmer!
    Er hat einige Hündinnen mit denen er sich super versteht und dann können wir auch unseren Spaziergang geniessen.
    In der Wohnung ist er ein so lieber haben einen 5 Monate alten Sohn den er über alles liebt, da es mir auch teilweise zu viel wurde hatte ich auch schon überlegt ihn ab zu geben mit baby und Hund und dann alleine spazieren gehen weil mann Schicht arbeitet , too much… dachte ich.. aber haben es jetzt alles anders organisiert sodass ich nicht mehr alleine gehen muss somit hat sich der Gedanke auch bei mir zerschlagen !
    Ich liebe unsere Fellnase 😇 und mir ist bewusst das es sich nicht mehr ändern wird…

    1. Hallo Janny!
      Ich finde es ganz besonders wichtig, dass man sich auf den tägichen Runden sicher fühlen kann.. Vielleicht wäre da ein Sicherheitsgeschirr plus Halti/Maulkorb was für euch? Da kommt auch er dann nicht mehr heraus, egal was passiert und ihr müsst euch deshalb keine Sorgen mehr machen..
      LG Lisa von Hundhoch3

  24. Mir aus dem Herzen geschrieben. Alles paßt, und die, die denken, es ginge nur um kleine Raufereien, kennen nicht das Gefühl, wenn der eigene Hund einen anderen in der Schnauze hat, und ihn töten will. Ja, töten! Leider hatte ich schon entsprechende Erlebnisse und die anderen, beteiligten Menschen, standen fassungslos vor dem Szenario, bis ich mich endlich auf unsere Hündin werfen konnte. Und ja, ich habe auch alles versucht. Wirklich alles. Letztendlich bleibt das Gefühl des Versagens, der Hoffnungslosigkeit, der Frage, ob man dem Hund überhaupt noch gerecht wird, der Einsamkeit, wenn sich alle Freunde mit Hunden zurückziehen. Und warum? Weil ich sie liebe. So bedingungslos, wie sie mich liebt. Eine Frage bleibt dabei leider nicht offen: Spiegelt der Hund den Menschen? Die Antwort ist erschreckend…..

    1. Hallo Claudia,
      Das ist eine sehr interessante Frage. Ich glaube, dass es tatsächlich so sein kann dass der eigene Vierbeiner einen irgendwie widerspiegelt. Ich muss keine Menschen um mich herum haben, die die ich kenne reichen mir vollkommen aus 😉 Das Ganze kann gut aber auch schlecht sein. Bei uns ist es dann eher die negative Variante.
      Im Training merke ich das auch sehr extrem. An schlechten Tagen, an denen ich lieber garkeinen sehen will, reagieren die beiden viel stärker auf unsere Problematiken als an guten Tagen.
      LG Lisa von Hundhoch3

  25. Wow – toller Artikel. Ich bin in das Hundehalterleben so reingeschliddert, denn mit meinem Mann habe ich auch einen Hund „geheiratet“. Der, ein Landseer, war damals 3 Jahre alt, 60 kg schwer und niemand konnte mit ihm spazieren gehen weil bei bestimmten Situationen auch der Schalter rumging und dann ist er halt losgerannt. 60 kg, ich wiege gerade mal 8 kg mehr (damals noch weniger ;P ) Das reißt einen von den Füßen. Inzwischen sind 8 Jahre vergangen. Der Hund hat mich viel gelehrt, wir haben unseren Weg gefunden, sind weg vom Stachel-Würger und hin zum Geschirr, er hat gelernt wie man hinten bleibt (er ist ein totaler Kontroll-Freak). Getreidefreies Futter (inzwischen Barf) machte ihn ruhiger und die lange überlegte Kastration mit 5 Jahren war eine gute Entscheidung. Wir haben das Joggen mit Renneinlagen für uns entdeckt. Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er sogar den ein oder anderen Hund dafür ignoriert hat.

    Der Zahn der Zeit hat dafür gesorgt, dass er mit jetzt 11 wesentlich leichter zu händeln ist und auch nicht mehr den Bedarf nach langen Laufrunden hat (joggen geht schon länger nicht mehr). Wir haben gelernt, dass er große dunkle Hunde nicht mag (wurde als Welpe mal von einem Labrador über einen Zaun gebissen) und gehen allen Hunden aus dem Weg, weil er einfach alles anbellt und irgendwann losrennt. Ich empfinde das jedoch auch als mega anstrengend… wie du sagst, es gibt gute und schlechte Tage und dann gibt es so Tage an denen einfach alles schief geht: vor etwa einem halben Jahr war hatten wir einen Vorfall.

    Ich bin mit unserem Hund Lion und unserem Pflegehund (der auch so ein noch junger Rüpel, aber weil Beagle, viel leichter zu händeln , zumal er immer an der Schleppleine läuft) UND meinen zwei Kindern spazieren gegangen. Und dann kam von vorn ein Hund, wir sind Querfeldein parallel zum Rheindamm ausgewichen. Beagle an der Schleppleine, Lion hinter mir, Kinder vor mir – alles paletti dachte ich und war echt happy und entspannt in dem Moment – als von hinten über den Damm ein Radfahrer mit dunklem Labrador an einer Flexileine angefahren kommt – die ich natürlich NICHT sehen konnte. Lion hat sie gesehen. Es hat ihm den Schalter umgelegt und ich glaube fast, er wollte uns beschützen weil ich sonst IMMER aufpasse und in diesem Moment halt nix mitbekommen habe. Vielleicht hat er sich auch einfach selbst nur erschreckt. Auf jeden Fall sehe ich nur plötzlich wie er Pfeilschnell an mir vorbei sprintet auf den Damm und die Frau mit dem Hund zu. Rufen, Schreien – alles vergebens. Der Beagle ein Mordstheater (ziehen, bellen) gemacht, meine beiden Kinder total ausgeflippt. Deshalb konnte ja auch nicht einfach hinterher rennen. Also hab ich versucht ruhig zu bleiben. Ich weiß – Lion beißt nicht, er spielt sich auf, geht aber dann lieber, wenns ernst wird. Immerhin. Ich habe in dem moment einfach nur GEHOFFT, dass es auch wirklich so ist. Lion also hin, der Andere hat natürlich gebellt und geknurrt, Lion ebenfalls und die Flexileine war in dem Moment mal wieder einfach sch… ich habe nur gebetet das sich nicht beide Hunde drin verknoten. Die Situation ging gut aus. Keine Verletzten, die Frau hat ihre Flexileine in den Griff bekommen und Lion kam nach zwei Scheinangriffen wieder zu mir (ich habe ihn nach dem ersten Schreck ganz freundlich und motivierend gerufen) und wirkte selbst etwas durcheinander. Ich hab mich dann nur mittels Schreien (über die Entfernung von 10 Metern oder so und durch die lautstark bellenden Hunde) versichtert das der andere Hund unverletzt ist und einfach noch ein „tut mir leid, ich hab Sie einfach nicht gesehen“ hinterhergeworfen….

    Ich war kurz vorm heulen vor Scham und Schreck und einfach nur soooo froh das nichts weiter passiert ist… Diese Situation hat mich total geschockt. Das war einfach niederschmetternd. Genau wie du es beschreibst, auch wenn euer Problem ungleich schlimmer ist. Und dann gibt es diese Leute die ihre Hunde vor unserem Hoftor trainieren…weil unser Hund dann so schön ausflippt. Und diese Leute die einem von weitem zurufen „ihr müsst mal besser trainieren mit eurem Hund“…. bei sowas könnt ich einfach nur…. EINFACH DANKE für diesen tollen Artikel! LG Yvonne

  26. Wirklich ganz toll geschrieben! Ich habe mich in vielem wieder gefunden!
    Unsere Hündin kam mit 9 Monaten aus einer spanischen Tötung. Sie war unser erster Hund und wir haben Katzen. Statt dem unkomplizierten Anfängerhund der Katzenverträglich ist, den wir gesucht hatten, haben wir eine junge Hundedame mit extremem Jagdtrieb, Angst vor Menschen und Angst-Aggression gegenüber anderen Hunden bekommen. Die ersten Wochen waren die absolute Hölle. Die Situation in der Wohnung mit dem Jagen unserer Katzen und draussen ihre Angst. Noch dazu haben wir in der Grossstadt gewohnt.
    Die einzige stressfreie Situation war weit weit weg von allen Menschen und Hunden im Wald.
    Schnell zeigte sich aber auch dass sie ihr Futter stark verteidigt, auch uns gegenüber.
    Aufgeben kam für uns nie in Frage. Wir haben intensiv trainiert und zumindest die Situation mit den Katzen zuhause so gut es geht um Griff. Nach wie vor bräuchte unsere Hündin aber keine anderen Hunde auf der Welt. Sie hat ein paar ausgewählte Hundefreunde, und mit denen treffen wir uns hin und wieder.
    Aber eine Sache habe ich inzwischen selber gelernt: man hört nie auf zu arbeiten, an sich selbst und mit dem Hund. Aber egal wie sehr ich es möchte, mein Hund wird nie problemlos sein und ich werde nie ohne Leine und ohne beim Spaziergang die Wege nach anderen Hunden und Tieren zu scannen entspannt gehen können.
    Eine Sache habe ich im Besonderen abgelegt: zu versuchen es anderen Hundebesitzern und Menschen recht zu machen und mich zu erklären. Wenn ich an der Körpersprache von meiner Hündin sehe dass sie ein Problem hat mit dem anderen Hund oder Mensch dann gehe ich der Situation aus dem Weg. Auch wenn ich dann blöde angemacht werde ob ich einen aggressiven Hund habe und das der andere ja nur spielen will. Höflichkeit und es anderen recht zu machen endete bei uns nicht selten in einer Katastrophe. Daher ist es mir inzwischen egal was andere denken wenn ich mit meinem Hund angeleint gassi gehe oder die Straßenseite wechsle.
    Wir haben viele Fehler gemacht als Anfänger, viele Situationen die ich grundlegend falsch angegangen bin und eingeschätzt habe und am meisten tut es mir für meine Hündin leid.
    Aber ich bereue es keine Sekunde das wir sie adoptiert haben und liebe sie über alles.

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