Was war da mit dem Auge?

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Ziemlich lange haben wir auch über dieses Thema geschwiegen: Was passiert wenn der eigene Hund ein Auge verliert? Wie geht man am besten damit um, und ändert sich etwas im Alltag?
Im Februar 2016 hatte unser Benji einen Unfall, bei dem sein linkes Auge schwer verletzt wurde. Es dauerte fast 1 Monat bis eine genaue Diagnose gestellt werden konnte und schließlich Ende März 2016, kurz vor Ostern das Auge entnommen wurde. Aber eines nach dem anderen.

Ende Februar 2016 passierte es, nach einen unglücklichen Zusammenstoß wurde Benjis Auge verletzt. Das er verletzt war fiel mir erst zu Hause auf, da er die Gassirunde auf der wir waren normal beendet hatte ohne groß auf sich aufmerksam zu machen. Er blutete aus dem linken Auge und es war sichtlich getrübt und geschwollen. Ich bin mit ihm sofort in die Tierklinik. Sein Kreislauf machte mittlerweile auch etwas schlapp und er konnte sich selbst kaum auf den Beinen halten. In der Klinik angekommen, bekam er erstmal einen Tropf, während wir darauf warteten, dass die armen Hunde vor uns behandelt wurden.
Die diensthabende Ärztin untersuchte schließlich das Auge, konnte aber bis auf eine Hornhautverletzung nichts weiter feststellen, da das Auge einfach zu sehr geschwollen war. Er bekam außerdem ein Antibiotikum und Schmerzmittel gespritzt.

2016-02-26 08.25.29Damit begann ein kompletter Monat des Bangens und der regelmäßigen Tierarztbesuche. 4 Wochen lang waren wir 2x die Woche bei unserem Tierarzt. Er kontrollierte die Schwellung und den Allgemeinzustand von Benji. Außerdem bekam Benji permanent ein starkes Schmerzmittel/Entzündungshemmer und eine Augensalbe.
Das Problem war die Schwellung. Ein abschwellendes Mittel konnte nicht gegeben werden wegen der Hornhautverletzung, also mussten wir warten. Zwischenzeitlich hatten wir auch unseren 1. Termin der einer Augenspezialistin.
Nach 4 Wochen war das Auge endlich fast komplett abgeschwollen und die Augenärztin konnte ins Auge schauen….und was sie dort fand, war quasi nichts. Die Linse von Benji war komplett zerstört und nur noch einzelne Splitter davon zu sehen. Dazu kam ein sehr hoher Augeninnendruck von 39 ( normal sind 9-11). Wir zögerten nicht lange und setzten für den nächsten Tag die OP an, um sein Auge zu entfernen. Es blieb keine Zeit mehr und eine andere Option gab es somit für uns nicht. Man hätte natürlich weiterhin versuchen können sein Auge zu retten, jedoch wäre das nur der Optik halber sinnvoll gewesen. Blind war er so oder so und nur deshalb ein krankes Auge zu erhalten und permanent Medikamente zu geben, das wollten wir ihm nicht antun.

Ich habe mich in den Tagen vorher schon versucht auf diese Situation vorzubereiten, dennoch war diese Entscheidung unheimlich emotional. Kaum beim Auto angekommen nach diesem Termin, brachen die Tränen natürlich erstmal unaufhörlich aus und Lisa war die erste die ich angerufen habe. Sie hat natürlich mit mir gebangt und war von dieser Nachricht genauso überwältigt wie ich. Wir hatten alle nicht damit gerechnet, dass das Auge wirklich raus muss. Ärzte erzählen oft von möglichen Folgen die sich unschön anhören, aber dass dann tatsächlich der „Worst Case“ eintritt, das versucht man auszublenden..
Danach habe ich meine Familie informiert und mein Vater konnte sich frei nehmen um mich so am nächsten Morgen zur Klinik zu begleiten. Er verbrachte den restlichen Tag mit mir, während unser Benji operiert wurde und über Nacht dort blieb.

Am nächsten Tag holte ich Benji ab. Die Freude war riesig und man merkte ihm sofort an, dass es ihm endlich wieder gut ging. Er war schmerzfrei und endlich wieder der Alte. Die letzten Wochen waren doch sehr belastend für ihn.
Die nächsten Wochen waren sehr ungewohnt. Wir alle mussten uns umstellen und versuchten Benji bestmöglich zu unterstützen. Vermutlich war das ganze für uns aber schwerer als für ihn. Er lernte schnell wo er besonders aufpassen muss, um nirgends gegenzustoßen. Am Rad und beim Gassi gehen hat er „seine“ Seite, auf der er läuft und sich dort sicher fühlt. Seine anfänglichen Probleme verschwanden also mit etwas Hilfe schnell.
Benji bekam von seinem Mädchen eine selbstgenähte Augenklappe, ein schickes Hai-Halstuch von seiner „Omi“ und war nun also ab sofort unser kleiner Pirat.

DSC_0661Mittlerweile sind knapp 1,5 Jahre vergangen. Der Anblick von Benji mit nur einem Auge ist fast Gewohntheit und wir haben uns gut eingespielt. Ich kommuniziere mehr mit Benji und das Wort „Achtung“ hat sich fest integriert. Er hat eben einen eingeschränkten Sichtradius und wir versuchen ihm dabei zu helfen, alles außerhalb besser wahrzunehmen. Mittlerweile kann er also wieder ein ganz normaler Hund sein und alles tun, was andere auch können. Blödsinn inbegriffen 😉 Nur die Fragen von Passanten erinnern uns daran, dass er nun etwas ganz besonderes ist.

Physisch hat er das ganze also gut verkraftet, psychisch leider nicht so ganz. Besonders bei Dämmerung und Dunkelheit ist jeder fremde Hund ein potenzieller Feind und er ist dabei noch ängstlicher als vorher. Wir arbeiten daran, aber selbst unser Tierarzt und unsere Trainerin sagen, dass er wohl nie wieder „normal“ wird in diesem Punkt. Aber das ist okay so. Wir haben gelernt damit zu leben, machen trotzdem stetig kleine Fortschritte und ich lerne immer mehr ihm Sicherheit zu geben. Ein Leben mit Handycap-Hund ist vielleicht in manchen Punkten anders, dafür aber nicht weniger wundervoll <3

Habt ihr Hunde mit speziellen Handycaps? Wir freuen uns auf Eure Geschichten.

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