Die Rasseliste – Vorurteile und Fakten

Benji ist ein hervorragender Familienhund

Vermutlich jeder Listenhund Halter kennt es: man ist mit seinem Hund in der Stadt, im Park oder in der Hundeschule und bemerkt, dass die Menschen die Straßenseite wechseln und man komische Blicke oder sogar dumme Sprüche erntet. Lea und ich wurden schon des öfteren als Assoziale beschimpft, nur weil wir mit Listenhunden unterwegs sind. Es gab sogar schon Leute, die ernsthaft lieber ins Gebüsch geklettert sind, als normal an uns vorbei zu gehen.
Oft beruht das Denken der Leute jedoch auf falschen Fakten und der „Kampfhundhetze“ in TV, Radio und Internet.

Ebenso zieht sich jedoch mittlerweile die Schlinge um den Hals vieler Schäferhundhalter enger. Auch gegen sie wird gehetzt, die Schuld wird bestimmten Rassen zugeschoben. Hier sollten viele Listenhundhalter einmal nachdenken, was sie für ihre Rasse fordern und dies auch anfangen auf andere Hunderassen anzuwenden („Kein Hund ist nur aufgrund seiner Rasse böse“).
Heute möchte ich mal mit einigen Vorurteilen über unsere Listis aufräumen und Fakten nennen.

Ein paar Fakten

Genetisch bedingte gesteigerte Aggressivität von Listenhundrassen wurde widerlegt:
Dazu ein Zitat von Dr. Udo Gansloßer: „Aggression liegt grundsätzlich nicht mehr in den Genen als andere Verhaltensbereiche auch. In keinem einzigen Fall ist die Genetik alleine oder auch nur überwiegend für irgendwelche Verhaltensbereiche beim Hund verantwortlich. Das können wir zunächst mal für alle Rassen feststellen. Gerade in Bezug auf diese Listenhunderassen trifft das eben auch nicht zu.“ (Quelle: http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/tieresucheneinzuhause/sendungen/kampfhunde114.html )

Selbst wenn drei Hunde mit einem Spielzeug spielen gibts keine Spur von Aggressivität
Selbst wenn drei Hunde mit einem Spielzeug spielen gibts keine Spur von Aggressivität

Sog. Listenhunde schnitten im Wesenstest genauso ab wie andere Hunderassen:
Eine Studie von Wissenschaftlern in Hannover hat herausgefunden, dass Listenhunde im Wesenstest genauso gut abschnitten wie der Golden Retriever. Beide Rassen zeigten keine gesteigerte Aggression. Etwa 96-98% der Listenhunde, die getestet wurden, zeigten keine gesteigerte Aggressivität. Außerdem fiel auf, dass besonders Bullterrier als freundlichste Rasse abschnitten. Schon hier wird also deutlich, dass Auflagen wie der Wesenstest vollkommen hinfällig sind.

Der Biss eines Listenhundes ist nicht gefährlicher als der eines anderen Hundes:
Das Gebiss unserer SOKA`s unterscheidet sich anatomisch absolut nicht von dem eines anderen Hundes. Jeder große Hund kann mit seinem Biss Schaden anrichten. Auch das Gerücht, ein „Kampfhund“ hätte eine doppelte Zahnreihe oder sein Kiefer würde „einrasten“ und nicht wieder loslassen, ist falsch.

Listenhunde sind Familientauglich:
Besonders alle mollosserartigen Rassen sind von Natur aus sehr gelassen und weisen eine hohe Hemmschwelle auf, bevor sie beißen. Das merken wir bei unseren dreien jeden Tag. Unsere Hunde würden alles über sich ergehen lassen. Verkleiden, Prinzessin spielen, anmalen – aber Achtung! Jeder Hund (egal welcher Rasse) sollte niemals unbeaufsichtigt bei Kindern sein.

Benji ist ein hervorragender Familienhund
Benji ist ein hervorragender Familienhund

Nicht alle „Kampfhunde“ sind riesig:
Neben den Listenhunden, die heute in der Rasseliste erwähnt werden, gibt es weitaus kleinere Rassen. So zählt z.B. der Yorkshire Terrier mit seinen max. 4kg auch zu dem „Kampfhunden“, denn er wurde ursprünglich für Rattenkämpfe im Pit (dt. Ring) gezüchtet. Auch der Staffordshire Bullterrier mit seinen max. 41cm Schulterhöhe zählt nicht gerade zu den Riesenrassen.

„Kampfhunde“ werden von jeglichen Bevölkerungsschichten gehalten:
Oft wird gessagt, dass Listenhunde nur von Kriminellen und Asoozialen gehalten werden. Das kann ich selbst widerlegen, denn ich kenne viele Studierende mit Hund (Lea und ich gehören dazu). Die Liebe zu diesen Rassen erstreckt sich über jegliche Berufsfelder, nicht nur in Deutschland. In Amerika will deshalb „The Majority Project“ darauf hinweisen, dass sogar berühmte Schauspieler und jegliche Soziale Schichten den American Pitbull Terrier halten. Mehr dazu erfahrt ihr hier: http://themajorityproject.com/.

Diese Rassen gehören in liebevolle Hände:
Leider denken auch heute noch zu viele, einen großen Hund mit viel Aggression und Schmerz erziehen zu müssen. Dem Hund soll gezeigt werden, „wo es lang geht“. Dies sollte man jedoch nicht nur bei unseren Listis lieber sein lassen.
Hunde machen keine Fehler um uns zu ärgern, sondern weil sie es einfach nicht besser wissen. Sie vertrauen uns und beweisen so oft, dass sie für uns sogar bis in den Tod gehen würden. Gerade Listenhunde sollte man niemals mit Aggression erziehen, da dies (wie man im Fall Zeus sieht) sehr schnell gegen die Außenwelt umschlagen kann. Besonders die ehemaligen „Kampfhunderassen“ sind sehr menschenbezogen und lassen sich für ein Lob spielend leicht auf jedes neue Kommando ein.

Aufgrund dieser Fakten, die allen Rasseliebhabern längst bekannt sind, gibt es seit einigen Jahren auch in Deutschland Zusammenschlüsse von Hundehaltern, die etwas gegen die Rasselisten unternehmen wollen und ein Ende der Diskriminierung fordern. So organisiert der „SOKA RUN e.V.“ jährlich Demonstrationen in verschiedensten Städten Deutschlands, um auf die Missstände hinzuweisen. Sie fordern „Halterkunde statt Rasseliste“. Mehr dazu erfahrt ihr hier: http://www.soka-run.de/
Auch auf Facebook gibt es Gruppen wie „Kampfhunde sind eher Kampfschmuser“, in denen sich Rasseliebhaber ungestört austauschen können.

2015-02-18 19.45.47

Quellen:
http://www1.wdr.de/fernsehen/ratgeber/tieresucheneinzuhause/sendungen/kampfhunde114.html
http://www.hund-und-halter.de/index.php?option=com_content&view=article&id=317:tiho-spricht-kampfhunde-frei&catid=125&Itemid=126
http://www.contiboard.de/topic.php?t=647&page=last
http://de.wikipedia.org/wiki/Yorkshire_Terrier
http://de.wikipedia.org/wiki/Staffordshire_Bullterrier
http://www.soka-run.de/

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