Die Rasseliste – Auflagen

2015-02-28 15.18.16

Ibrahim K. Wurde zu mehr als 3 Jahren Haft verurteilt. Seine Freundin, die Besitzerin von Gypsy kam mit einem Jahr auf Bewährung frei. Während den Gerichtsverhandlungen sah man beiden ihre Reue und die Trauer um den kleinen Volkan an. Doch niemand kann diesen schrecklichen Unfall ungeschehen machen.

Kurz nach den ersten Fernsehberichten über den Vorfall mit Zeus brach die Panik vor den „Kampfhunden“ aus. Da niemand nach der Ursache für diesen Hundeangriff suchte, setzte der Gesetzgeber eine neue „Kampfhundeverordnung“ ein.
Man ging davon aus, dass bestimmte Rassen die früher zu Hundekämpfen genutzt wurden, unwiderlegbar gefährlich seien. Dementsprechend hieß es damals, dass Hunde wie der American Pitbull Terrier, American Staffordshire Terrier und Bullterrier zum kämpfen gezüchtet wurden und deshalb genetisch ein höheres Agressionspotenzial aufweisen würden als andere Hunderassen. Es brauche keinen Grund, damit ein Hund dieser Rassen zubeiße.

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Auch Maila gilt als „unwiderlegbar gefährlich“

Die Auflagen

Jedes Bundesland und sogar jede Stadt darf selbst entscheiden, wie sie mit dieser Regelung umgeht, und so kann ich nur aufzählen was es alles für Auflagen gibt. Es treffen aber nicht alle in jedem Bundesland zu. Die Bundesländer führen so recht unterschiedliche Rasslisten. Nicht jede Rasse gilt in jedem Bundesland als gefährlich, so steht beispielsweise der Dogo Argentino in 7 Bundesländern auf der Liste, in den anderen wird er mit keinem Wort erwähnt und darf auflagenfrei gehalten werden.
Einige Bundesländer haben beschlossen, ihre Rasseliste in Unterkategorien einzuteilen. Es gibt hier also Kat. 1 – die unwiderlegbar gefährlichen Hunde (z.B. American Pitbull Terrier),und Kat. 2 – die widerlegbar gefährlichen Hunderassen (u.a. Rottweiler). Mir ist immernoch unklar, wieso der Staat so etwas zulässt, wenn doch von diesen Hunden so eine Gefahr ausgeht. Ist denn ein im Land Brandenburg lebender Dobermann gefährlicher als im Rest Deutschlands?
Außerdem versucht man bis heute die Haltung durch erhöhte „Kampfhundsteuern“ zu erschweren. Diese sind teils mehr als 10 mal höher als die normale Hundesteuer und überschreiten oft die Tausendermarke. Jedoch entscheidet auch hier die Stadt, ob so eine spezielle Steuer eingeführt wird. So kann es vorkommen, dass Person A 600€ jährliche Steuern pro Listenhund zahlen muss und Person B, die nur 10km entfernt wohnt, 30€ Steuern für die gleiche Rasse. Die Fairness ist auch hier nicht vorhanden.
Mittlerweile ist auch die Zucht der meisten Rassen sowie die Einfuhr aus dem Ausland nach Deutschland verboten worden. Denn durch die Schaffung der Rasseliste sind ein Großteil der Hunde im Tierheim sogenannte Kampfhunde (SOKA`s) und es würden noch weniger Tierheimhunde vermittelt werden wenn es noch die Möglichkeit gäbe, seinen Hund vom Züchter zu kaufen. So ist es auch in einigen Teilen Deutschlands verboten, einen Hund von Privatpersonen zu übernehmen. Man darf sie dann nur über den Tierschutz aufnehmen, was viele potenzielle Käufer abschreckt, da sie meist einen jungen Hund wollen. So entscheiden oft (leider) nur Rasseliebhaber dazu eine arme Seele aus dem Tierheim zu übernehmen.
Die meisten Hunde die auf der Rasseliste auftauchen müssen einen Wesenstest über sich ergehen lassen. Hier soll getestet werden, wie die Hunde in stressigen Alltagssituationen reagieren. Auch hier hinkt der Vergleich mit der Realität in den getesteten Situationen gewaltig. Mehr dazu schreibe ich bald in einem gesonderten Text. Es ist wieder einmal nicht einheitlich geregelt, wie oft ein Wesenstest gemacht werden muss. Einige müssen ihn alle 2 Jahre absolvieren, wieder andere garnicht und manche (so wie wir) zweimal in einem bestimmten Altersabschnitt des Hundes.
Außerdem gibt es noch Auflagen wie den Sachkundenachweis, Hundeführerschein und die permanente Leinen- und Maulkorbpflicht, die teils trotz bestandenem Wesenstest wahrgenommen werden müssen. Aus welchem Grund das so ist, konnte mir auf Anfrage niemand beantworten.
Ich habe in meinem Umfeld sogar schon gehört, dass es eine mindesthöhe des Gartenzaunes geben soll, damit die „Monster“ nicht ausbrechen können. Im Land Brandenburg darf ich Lana und Maila nicht einmal zusammen ausführen. Auch nicht mit Nicht-Listenhunden zusammen. Aber 10 Deutsche Doggen dürfte ich gemeinsam spazieren führen. Auch hierfür konnte mir keine vernünftige Erklärung geliefert werden.

kampfhunde

Hier wird also langsam deutlich, wie undurchdacht diese ganzen Auflagen niedergeschrieben und wirksam gemacht worden sind um das Volk zu beruhigen. Ich könnte an dieser Stelle noch einmal doppelt so viele Ungereimtheiten aufzählen, wieso die Rasselisten schlecht durchdacht wurden, möchte an dieser Stelle aber einmal abbrechen.
Im nächsten Teil werde ich weiter auf den Inhalt des Wesenstests eingehen und in den kommenden Tagen einmal alle Vorurteile bearbeiten, die es in der Bevölkerung regelmäßig zu hören gibt.

2 Gedanken zu „Die Rasseliste – Auflagen

  1. Wenn ich in dem selben Bundesland wie Du leben würde, hätte ich mir das nicht angetan. Es ist alles so kompliziert mit einem Listenhund. Unser Bundesland ist, glaube ich, am lockersten, was das angeht. Aber selbst mit Hund in den Urlaub zu fahren ist kompliziert. Ich hätte immer Angst um meinen Hund. Ich bewundere, wie Ihr das könnt und aushaltet.
    LG Susanne
    LG Susanne

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